Rebelliert halt selbst, ihr alten Säcke!Tuesday, September 8. 2009Comments
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ein kurzes wort vorweg zu herrn blumenau:
herr blumenau, und das weiß er auch selbst, ist auf weiten strecken nicht ernst zu nehmen. er kann sehr gut polarisieren und freut sich sehr, wenn die puppen, an deren fäden er gezupft hat, tanzen. zur rebellionsmisere: ich finde nicht, dass das protestverhalten von 20-29jährigen als qualitätsmerkmal dargestellt werden sollte. kritisch sein funktioniert auch ganz ohne demos und fahnenschwingen - kritisch sein und etwas verändern wollen geht auch ganz gut im stillen. die generationen vor uns waren da auch nicht fleißiger, aber sich von den 2-stunden-barfuß-durch-den-schnee-zur-schnule-parolen der ewiggestrigen jetzt in die defensive jagen zu lassen, halte ich für unangebracht. und trotzdem: da schreiben Sie einen artikel darüber, dass wir ja gar keine jasager sind und die einzigen beispiele, die Ihnen einfallen sind die mq-demonstranten, deren einziges ziel natürlich war, den öffentlichen raum zu schützen, die schüler, deren einziges ziel natürlich war, politische mitbestimmung in bildungsfragen zu erreichen und eine lichterkette, die - so ehrenwert der gedanke auch war - einen gegen 0 tendierenden effekt hatte? autsch. dass die jugend laut und schillernd rebellieren "muss" ist eine antiquierte vorstellung. dagegen zu argumentieren, indem auf entertainment-demos verwiesen wird, ist aber ein wenig peinlich. in etwa so peinlich, als würde ich als politisches / gesellschaftliches engagement werten, dass ich hier vergeblich den daumen nach unten gesucht habe.
gut gegeben, frau brodnig. ein bisschen patzig vielleicht das ganze, aber in der sache bin ich ganz deiner meinung. und was den blumenau betrifft: berufsjugendlicher motzer. schon lange nicht mehr ernstzunehmen.
Bin ich der Einzige der das Todlangweilig findet?
Ich finde jedenfalls die Generationendebatte an sich vollkommen veraltet. Ein Satz der mit "die Jugend heutzutage..." beginnt kann nur in Schwachsinn enden, das sollte jedem klar sein. Es gibt keine Gruppe der 20-jährigen, genausowenig wie es eine Gruppe der 30- oder 40- oder 50-jährigen gibt.
5 kleine punkte...
1) nicht "das facebook" ist böse oder blöde, es ist immer die nutzung. die "„daumen nach oben"-funktion hab ich etwa noch nie verwendet (doch, halt, zweimal ironisch). 2) so zu tun, als würde ich einfach einmal frau haaf hernehmen um sonstwen abzuwatschen, ist eine groteske verkürzung. das generationen-problem zieht sich seit jahren durch mein (täglich erscheinendes) webjournal http://fm4.orf.at/blumenau, wurde in jeder erdenklichen form und aus vielen blickpunkten abgehandelt. in der mehrheit in einer verteidigungshaltung für die/vor den jungen. vor allem nach der letzten NR-Wahl - beispiele hier http://fm4v2.orf.at/blumenau/224189/main.html und hier http://fm4v2.orf.at/blumenau/224202/main.html (Titel: Das aktuell bejammerte jugendliche Wahlverhalten). 3) von wegen "alle anlaßfälle hernehmen um die brodnig-generation in die pfanne zu hauen": mein senf zum angesprochenen MQ http://fm4.orf.at/stories/1604231/ erkennt andere schuldige und probleme. einzelne aussagen, so unangenehm sie einem sein mögen, schlicht hochzurechnen um eine einfache antwort geben zu können, ist nicht genug. 4) dass die reaktion auf die haaf-thesen (die immerhin im sz-magazin für alle lesbar erschienen sind) in österreich erst dann kommt, wenn ich das thematisiere, dann ist das durchaus ein armutszeugnis. und zwar für mangelnde selbstreflexion. diese debatte gehört längst und länger geführt, auch ohne haaf und vor allem ohne mich. tut es aber leider nicht. 5) das problem hat frau brodnig durchaus richtig zusammengefaßt: "Tatsächlich sind viele Ältere genauso dämlich wie wir, nur reden sie klüger daher." stimmt total. meine konsequenz wäre a) sich weniger dämlich anstellen (zb weniger oberflächliche rezeption) und b) klüger daherreden. Ob eine beleidigte replik das schafft, möchte ich bezweifeln. eine sinnhafte analytische auseinandersetzung, die sich nicht darin genügt es jetzt einem bösen typen gesagt zu haben, sondern tiefer bohrt, das wäre klug.
auf die haaf bzw. den blumenau hab ich ja eh vor einigen tagen auch schon geantwortet: http://zurpolitik.com/2009/09/01/uber-meine-und-andere-generationen-sprechen-mit-ein-bisschen-wut/
"das generationen-problem zieht sich seit jahren durch mein (täglich erscheinendes) webjournal"
ich erwarte sehnlichst eine diss über das generationen-problem, vor allem von einem, der sich täglich damit befasst...
der kommentar ist sehr pointiert und richtig! blumenau und auch ultsch in der presse tun grad so, als würden alle 20-30jährigen lethargisch herumliegen und auf alles mit "is ma eh wurscht" antworten.
vielleicht ist das problem eher ein mediales? themen, die "uns junge" interessieren, werden einfach nicht (ernsthaft) und unserer meinung entsprechend diskutiert... bildungspolitik? - eine personal(lehrer)thema generationenvertrag? - als ob wir den heute für die nächsten 60 jahre abschließen könnten! prekäre arbeitsverhältnisse? - "da müssen doch eh alle durch" usw. usw.
mal vorweg danke für das positive feedback, aber auch die kritischeren kommentare hier. mir war beim verfassen des textes durchaus bewusst, dass mit einem kommentar nicht alles gesagt sein kann - umso besser, dass es reaktionen gibt
3 aspekte möchte ich herausgreifen - zu den "entertainment-demos": ich könnte jetzt darauf hinweisen, dass die lichterketten eben keine solche veranstaltung war. viel interessanter finde ich aber den vorwurf der "entertainment-demo" an sich. denn was ist denn so schlimm an einer demo, hinter der auch ein lebensgefühl, ein freiheitswunsch steht? sehr viele politisch bedeutende jugendbewegungen bauten bei ihrem protest auf einen "spaßfaktor". die 68er-bewegung wurde z.B. auch deswegen so bedeutend und massentauglich, weil viele menschen sex haben wollten, ohne sich verstecken oder genieren zu müssen - zur veralterten generationendebatte: seh ich großteils auch so - vor allem, weil hier auch generationen gegeneinander ausgespielt werden (siehe pensionsdebatte). ich wollte das kurz mit dem beispiel der 40-jährigen ansprechen, die nicht erwachsen werden wollen. dass es heute nicht mehr dermaßen strenge vorgaben für jede altersgruppe gibt, sehe ich als fortschritt - zur verspäteten jugenddebatte: ich glaube auch, dass es in österreich ein geistiges vakuum gibt, wo anderswo eine funktionierende und pluralistische medienlandschaft eine richtige debatte führt. doch gerade die jetzige jugenddebatte empfinde ich nicht als armutszeugnis. für mich ist sie eher ein zartes pflänzchen, das noch wachsen kann. man sieht, dass es einen raum für diskussion gibt, dass sich junge menschen hinsetzen und eine meinung formulieren (sowohl online als auch in print). und das finde ich positiv und würde es mir noch viel öfter wünschen
entertainment-demos, der versuch einer erklärung:
spaß zu haben an einer demo ist absolut nichts negatives. hätten die demonstranten keinen spaß an solchen veranstaltungen, würde wahrscheinlich überhaupt niemand mehr hingehen. allerdings habe ich den subjektiven eindruck, dass viele menschen statt mit einem anliegen und spaß mit spaß und einem bier dabei sind. das schadet eben der glaubwürdigkeit und damit der sache an sich immens. egal wie ernst und wichtig eine botschaft ist - wenn sie so dargebracht wird wie bei schüler- und mq-demo, müssen sich die veranstalter gefallen lassen, von der medialen öffentlichkeit belächelt zu werden.
Entertainment-demo... eine bessere Umschreibung für Woodstock gibt es eigentlich nicht.
Ohne hier weiter dampfplaudern zu wollen, bitte um EINE klare Antwort auf die Frage: "Wen interessiert diese gewaltige Masse an Informations-Müll?"
Brodnig ist nur eine weitere von tausenden geistigen Cabriofahrern im Internetz, die mit ihrem Geschwätz ihre Profilierungsneurosen therapieren. Und, ja natürlich: Martin Blumenau. Jeder Gedanken an ihn, eine Verschwendung kostbarer Lebenszeit. Ich halte es mit Karl Fluch: Dieser Mann (Blumenau) ist nicht satisfaktionsfähig.
das hat es die Frau Brodnig aber dem Herrn Blumenau...
...schon ziemlich reingesagt, und in Summe halte ich die Argumente der Frau Brodnig für die stärkeren. Was mir aber bei der Diskussion fehlt (hoffe ich habe da nichts übersehen)... Falls es wirklich stimmt, dass die jüngeren Generationen geistig etc. immer "flacher" werden, sollte man dabei nicht vergessen, das Menschen immer früher und immer stärker zu Zielgruppen jener werden, die immer noch reicher und asozialer werden wollen. Dass aus den leider allzu erfolgreichen Versuchen einer Managerkaste (Frauen gibt es da kaum, deshalb kein /innen!), uns alle am besten schon von Geburt an einer kapitalistischen Verwertungslogik zu unterwerfen, nichts gutes und schönes entstehen kann, ist eigentlich nur logisch. Und wenn ich eingedenk des vorher gesagten das Verhalten der Schüler/innen betrachte, die ich auf meinem Arbeitsweg in den Öffis durch das bildungsferne Favoriten mitbekomme, dann muss ich sagen, die Kids sind durchaus recht OK. Und sicher nicht "flacher" etc als z. B. das typische schon ältere Publikum auf einem Falter-Fest in einer namhaften Wiener Brauerei, das offenbar kein Problem hat, für ein großer Bier 4 Euro zu zahlen und sich dabei von einer Armee von Security-Leuten "beschützen" lässt. Völlig ohne Widerspruch oder Unmut. Geht uns ja eh' gut, waren ja brav widerständig, wie wir noch jung waren...
hier kommen einige interessante fragen auf
- zur entertainment-demo: natürlich ist das ein balance-akt. ich glaube aber, dass beim protest junger menschen oft doppelt so kritisch hingeschaut wird. wenn pensionisten gegen pensionskürzungen demonstrieren (vgl. schülerdemo) suchen journalisten nicht unbedingt nach dem dümmsten kommentar in der masse. trotzdem ist die frage, wieviel genuiner protest dabei ist, berechtigt. ich denke, es gibt bei jeder bewegung sehr viele mitläufer - zum medialen problem: das ist wirklich spannend, weil in der tat die themen, die junge menschen und ihre lebensrealitäten betreffen, oft ausgeblendet oder verniedlicht werden. eh schon genanntes bsp prekariat oder auch piratenpartei. da heißt es oft, das sind halt "die downloader". aber es steckt nicht nur ein anderes verständnis von geistigem eigentum, sondern auch eine tiefe sorge angesichts der zunehmenden überwachung dahinter (hab mal dazu etwas geschrieben http://brodnig.org/index.php?/archives/71-Piraten-am-Festland.html) - zur managerkaste: das ist ein interessanter gedanke. dass eine richtige strategie dahinter steckt, kann ich mir nicht vorstellen. aber natürlich wäre es eine möglichkeit, den perfekten konsumenten heranzuzüchten ich finde übrigens das falter-bierpreis-beispiel sehr treffend. menschen kommen aus unterschiedlichen lebensrealitäten und nehmen details oft ganz unterschiedlich wahr. das ist wahrscheinlich auch einer der gründe, warum es so viele missverständnisse in der generationendebatte gibt
Wenn man versucht zu ergründen, was uns die alten Säcke eigentlich sagen wollen, kommt man bei allem Gedöns doch auf zwei ganz interessante Punkte:
1. Wir sind schon recht wirtschaftsfixiert. 2. Wir sind schon recht unpolitisch. Zumindest konnten die Debattenbeiträge, die ich kenne, das nicht widerlegen. Das ist eigentlich schon ein Problem für die Demokratie. Hab versucht, das zu erklären: http://farblos.net/2009/09/12/ihr-seid-japan/
Also, ich habe die Debatte ausgiebig mitverfolgt, hier und bei Blumenau. Es ist so: Ich werde jetzt rebellieren!
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Tracked: Sep 13, 20:49
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