iPhone-User haben mehr SexWednesday, September 1. 2010 Eh klar, iPhone-User haben mehr Sex. Das behauptet zumindest die Singlebörse OKCupid. Die hat ihre Mitglieder befragt und herausgefunden, dass Besitzer eines iPhones mehr Sexpartner hatten als Besitzer eines BlackBerry oder Google-Android-Handys. Apple ist eben sexy und das strahlt auch auf seine Kunden ab. Oder umgekehrt: Wer Wert auf Design und gutes Aussehen legt, auf dessen Nachtkasterl liegt ein iPhone und in dessen Kiste ist mehr los. Ein 30-jähriger iPhone-Nutzer hatte bisher im Schnitt elf Sexpartner – Männer zehn, Frauen zwölf (hohoho). Dagegen wirken die Google-Telefonierer fast jungfräulich. Die haben nur sechs Menschen gepoppt. Aber wen wundert das? Die Google-Software ist etwas für richtige Nerds. Das sind Menschen, die auf Partys über „World of Warcraft“ reden und das mit Flirten verwechseln. Vielleicht gibt es aber noch einen anderen Grund, warum die Technikfreaks in der Statistik so schlecht aussteigen: All der Cybersex zählt halt nicht.Digitalia ist die wöchentliche IT-Kolumne des Falter. Diese Kolumne wurde in Ausgabe 33/10 veröffentlicht. Bild: Flickr-User osde8info Apples SklavenWednesday, August 11. 2010
PC, Laptop, iPhone: Wie viel Ausbeutung steckt in unseren schicken Computern?
Unter den Fenstern der Computerfabrik im südchinesischen Shenzhen sind Netze aufgespannt. Gelbe Netze, die Herabstürzende auffangen sollen. Junge Arbeiter sind hier aus dem Fenster gesprungen, weil sie den Tod diesem Leben vorzogen. Sie hatten zuvor in Zwölf-Stunden-Schichten gearbeitet, Überstunden gemacht, Drill und strenge Disziplinierungsmaßnahmen ertragen. Am Monatsende hatte es bei höchster Anstrengung 230 Euro gegeben.In der chinesischen Stadt Shenzhen steht der größte Fabrikskomplex der Welt mit mehr als 300.000 Mitarbeitern. Die taiwanesische Firma Foxconn stellt hier für Apple, Dell und Hewlett Packard Computer her. Heuer brachten sich zehn Mitarbeiter in Shenzhen um und drei weitere aus anderen Foxconn-Fabriken in China. Sie sprangen in den Tod. Seither gibt es die Netze. Und internationale Aufmerksamkeit entstand, unter welchen Bedingungen Computer hergestellt werden. Die Hightech-Branche ist zu einer Billiglohnindustrie verkommen. Die Konsumenten geben viel Geld für den schicken Laptop oder das neueste Kultprodukt der Marke Apple aus. Was aber die wenigsten wissen: In den Fabriken, die Mikrochips, Prozessoren, Tastaturen oder Touchscreens herstellen, ist die Bezahlung schlecht, die Belastung hoch, und manchmal kommt es sogar vor, dass Mitarbeiter vergiftet werden, weil sie mit toxischen Substanzen in Kontakt kommen. Unter solchen Umständen entstehen die Geräte, nach denen wir gieren und die wir stolz dem Freundeskreis präsentieren, die wir auf unseren Schreibtisch stellen oder sogar in den Urlaub mitnehmen. Sie machen etliche Überstunden Die Produktion findet großteils in Ländern wie China statt, wo es theoretisch zwar ein Arbeitsrecht gibt, das in der Praxis aber nicht kontrolliert wird; oder in Malaysia, wo es bisher weder einen Mindestlohn noch eine Gewerkschaft in der Elektronikbranche gibt. Das System der Computerherstellung ist darauf ausgerichtet, dass am untersten Ende, am Fließband, billige Arbeitskräfte stehen. Die Arbeiter müssen stundenlang hochkonzentriert monotone Tätigkeiten verrichten. Trotz der starken Belastung haben sie ein miserables Einkommen. In den großen Hallen arbeiten jene, denen wenig Wahl am Arbeitsmarkt bleibt. In China sind das hauptsächlich junge Frauen vom Land, die keine Ausbildung haben; in Malaysia häufig Migranten aus Nepal, Indonesien oder Kambodscha. Foxconn behauptet, die Selbstmorde hätten nichts mit den Arbeitsbedingungen zu tun, die Familien der Verstorbenen sehen das anders. Überstunden, Stress, Drill gehören zum Alltag. Foxconn ist exemplarisch für die Branche. Ohne Überstunden verdienen die Mitarbeiter im Monat 1200 Yuan, umgerechnet 130 Euro. Vor den Selbstmorden und den Protesten in China waren es noch 110 Euro. Dieses Grundgehalt ist bewusst niedrig. Die Mitarbeiter machen Überstunden, um es aufzubessern. Viele Arbeiter verlassen nur selten das Fabriksgelände. Denn sie leben in den fabrikseigenen Wohnheimen, wo oft zehn Menschen in einem Zimmer schlafen, und essen die Menüs in der Kantine, um Geld zu sparen. Mit 130 Euro lässt sich auch in der teuren Stadt Shenzhen nicht wirklich leben. „Wir sehen durchaus Verbesserungen. Aber wir sehen keine substanzielle Veränderung“, meint Debby Chan von Sacom, der Non-Profit-Organisation Students and Scholars Against Corporate Misbehavior. Chan führt regelmäßig Gespräche mit den Menschen in den Fabriken durch. Auch nach der Gehaltserhöhung klagen sie über die Arbeitsbelastung und den Drill. Auf dem Fabriksgelände dürfen Arbeiter nur in Zweierreihen marschieren. Drei Menschen nebeneinander sind verboten. In manchen Produktionsbereichen, so wird berichtet, gibt es vorgeschriebene Zeiten, wann man auf die Toilette gehen darf. Normalerweise haben die Arbeiter alle zwei Stunden eine Zehn-Minuten-Pause. Wenn die Produktion aber im Rückstand ist, wird diese mitunter gestrichen. 47 vergiftete Mitarbeiter Es wäre jedoch unfair, Foxconn als schwarzes Schaf der Branche darzustellen. Die Computerindustrie hat sich insgesamt gewandelt. In den 80er-Jahren produzierten Konzerne wie IBM noch unter ihrem eigenen Dach. Schritt für Schritt wanderte die Produktion dann in den ärmeren Süden oder den ärmeren Osten. Von den USA nach Mexiko, von West- nach Osteuropa. Nach der New-Economy-Pleite zu Beginn der Nullerjahre verlagerten sich die Produktionsstätten vermehrt nach Asien. Dort haben Firmen wie Foxconn aus Taiwan, Flextronics aus Singapur oder Jabil aus den USA ihre Fabriken errichtet. Jedes zweite Notebook kommt heute aus China, viele Festplatten aus Thailand, viele Computerchips aus Malaysia. Wer die Laptops und PCs am billigsten herstellt, bekommt die Aufträge der großen Elektronikmarken. „Hightech-Sweatshops“ nennt Sarah Bormann von der deutschen Organisation WEED das. Der Name täuscht. Sweatshops werden oft für überfüllte, dunkle, dreckige Fabrikshallen gehalten. Das ist in der IT-Branche nicht so, hier muss es auch aus Qualitätsgründen sauber sein. In den großen Hallen schaut es deswegen gepflegt aus. „Auf den ersten Blick sieht man keinen Unterschied zu den Firmen in Industrieländern“, meint auch Bormann, die einige Standorte besucht hat. In den Hightech-Sweatshops müssen keine Menschen verhungern, weil sie sich nicht einmal das tägliche Brot leisten können. Hier wird niemand gezwungen, am Fließband zu stehen. Das Problem ist vielmehr, dass die Arbeiter an den Rand ihres Leistungsvermögens gebracht werden. Woche für Woche machen sie bis zur Erschöpfung Überstunden, weil die Bezahlung so schlecht ist. Die unabhängigen Beobachter hören immer dieselben Klagen von Mitarbeitern, die stundenlang am Fließband stehen: „Ich arbeite wie eine Maschine und mein Gehirn ist eingerostet“; „ich fühle mich leer“; „das Leben ist bedeutungslos“. Es hat einen Grund, warum es in Europa strenge Auflagen zur Fabriksarbeit gibt. Körperliche und geistige Erschöpfung ist nicht die einzige Schattenseite. Bei der Herstellung eines Computers werden toxische Substanzen verwendet. Im Vorjahr musste die Firma Wintek eingestehen, dass 47 chinesische Mitarbeiter vergiftet wurden. Sie hatten die Bildschirme des iPhone mit der giftigen Substanz N-Hexan gereinigt. Es verursacht Nervenschäden. Viele Arbeiter fühlten, wie die Kraft aus ihren Beinen wich, sie das Gefühl in den Fingern verloren. Sacom berichtet sogar von einem Mitarbeiter, der neun Monate im Krankenhaus lag. So reagierte Apple bisher „Von Apple kam bis heute keine Reaktion“, sagt Debby Chan. Für sie ist der Konzern aus Kalifornien ein wahres Feindbild. „Die allerwenigsten Rückmeldungen kommen von Apple“, sagt sie. Als die Selbstmorde in Shenzhen bekannt wurden, sprang Firmenboss Steve Jobs sogar Foxconn zur Seite. Man würde sich die Arbeitsbedingungen zwar gründlich ansehen, eines sei aber sicher: „Foxconn ist kein Sweatshop.“ Und dann relativierte er die Bedeutung der Suizidserie, indem er darauf verwies, dass rein statistisch sogar die USA eine höhere Selbstmordrate hätten. Das Dilemma daran: Auch andere Firmen lassen ihre Geräte bei Foxconn, Wintek und Co herstellen. „Ich kann keine Kaufempfehlung aussprechen“, sagt Sarah Bormann von Weed. Anders als bei Kleidung oder Nahrungsmitteln gibt es noch keinen Computer, von dem sich behaupten ließe, er sei fair produziert worden. Meist ist nicht einmal nachvollziehbar, aus welchen Fabriken die tausend Einzelteile der Hightech-Geräte kommen. Über dieses Thema reden die Markenfirmen nicht so gern. Damit machen es sich die Companys aber zu einfach. Denn Firmen wie Dell, Apple und Hewlett Packard kaufen längst nicht nur Einzelteile ein. Mittlerweile lagern sie den gesamten Produktionsprozess aus. Das Design mag dann noch von diesen Firmen stammen, die gesamte Herstellung, von der ersten Lötung bis zur letzten Schraube, findet bei sogenannten „Kontraktfertigern“ statt. Die liefern 100.000 verkaufsfertige Laptops oder Tablet-PCs nach Europa. Deswegen steht zum Beispiel auf der Rückseite des iPhone in winzigen Buchstaben: „Designed by Apple in California. Assembled in China.“ Rein rechtlich ist Foxconn nur ein Geschäftspartner von Apple. De facto ist das Unternehmen aber der wirkliche Produzent des iPhone. Wenn wir in Europa besonders viele Apple-Handys bestellen, heißt das, dass im Werk in Shenzhen besonders viele Überstunden geschoben werden müssen. Die Arbeiter wehren sich So funktioniert der globale Handel heutzutage, in der Kleidungsbranche ist das längst bekannt. Nur von der IT-Branche hatten bisher viele keine Ahnung. „Ihr sauberes Image bröckelt“, sagt Sarah Bormann. Die Selbstmorde haben in China eine Streikwelle ausgelöst. Foxconn hat daraufhin die Löhne angehoben. Bedeutsam sind diese Proteste aber, weil die chinesischen Arbeiter endlich ihre Stimme erhoben haben. In einem Land, wo es keine unabhängigen Gewerkschaften und Arbeitnehmerschutz nur auf dem Papier gibt, braucht es Druck von innen. Ebenso in Malaysia, wo derzeit eine Gewerkschaft für den Computersektor entsteht. Damit sich in der Branche wirklich etwas ändert, muss aber auch Druck von außen kommen. Deswegen wurde die europäische Kampagne „Procure IT Fair“ gestartet. Sie will öffentliche Einrichtungen dazu motivieren, mehr Verantwortung von den Computerfirmen einzufordern. Der einzelne Konsument ist machtlos. Aber wenn Ministerien, Universitäten und Kommunen ihre Computer auch nach sozialen Kriterien wählen, steigt der Druck auf die Hersteller. Derzeit läuft Apple zum Beispiel Gefahr, zum Buhmann der Branche zu werden. Es ist aber sicherlich noch ein langer Weg, bis der erste vollkommen fair produzierte PC vom Band läuft. In der Zwischenzeit hängen noch die gelben Netze vor der Fabrik in Shenzhen. ------------ Online-Petition ------------ Die europäische Kampagne „Procure IT Fair“ will auf die unfairen Arbeitsbedingungen in den IT-Fabriken hinweisen und öffentliche Einrichtungen auffordern, Druck auf die Hersteller auszuüben. Zu den Organisatoren der Kampagne zählen NGOs wie Weed aus Deutschland oder Südwind aus Österreich. Infos und eine Unterschriftenliste gibt es zum Beispiel unter www.clean-it.at Dieser Bericht ist im Falter Falter 32/10 erschienen. Bild: Sacom Apple ist das neue MicrosoftSunday, August 8. 2010 Hui, da hatte Microsoft noch einmal Glück! Entgegen aller Erwartungen legte der Konzern ein tolles Quartalsergebnis mit 4,5 Milliarden Dollar Gewinn vor. Damit bleibt Microsoft weiterhin die ertragreichste Computermarke der Welt. So richtig freuen können sich die Mitarbeiter in Redmond trotzdem nicht. Sie wissen, dass es nur eine Frage der Zeit ist, bis Apple die Nummer eins ist. Microsoft fehlen die zündenden Ideen, die sich auch in Geld umwandeln lassen. Aber hey, Kopf hoch, ihr Leute von Microsoft! Eine gute Nebenwirkung hat Apples Erfolg schon. Ihr seid längst nicht mehr das beliebteste Hassobjekt. Früher schimpften alle über euer instabiles Betriebssystem, jetzt regen sich alle über die Antennenprobleme des neuen iPhone auf. Wenn ihr Glück habt, werden wir in ein paar Jahren alle den Ärger über eure Produkte vergessen haben und reumütig in eure Arme zurückkehren. Ihr könnt uns dann mit eurem neuesten Betriebssystem Windows 2020 quä-, äh, beglücken.Digitalia ist die wöchentliche IT-Kolumne des Falter. Diese Kolumne wurde in Ausgabe 30/10 veröffentlicht. Bild: Flickr-User akeg (Eric Schmuttenmaer) Nichts ist für die Ewigkeit, nicht einmal das iPhone!Sunday, August 8. 2010Es ist wie in der alten Schnulze: Tausendmal berührt, tausendmal ist nix passiert. Circa tausendmal ist mir mein iPhone auf den Boden gefallen, einmal sogar die Treppe hinunter. Und nix ist passiert. Jetzt war das tausendunderste Mal. Das Display ist kaputt. Nach der Konfrontation mit dem Asphalt ist es in etliche Einzelteile zersprungen, wie bei einer eingedroschenen Autoscheibe. Als ich den Schaden sah, ist mein Herz ebenfalls zersprungen. In tausend Einzelteile. Plötzlich lag mein ständiger Begleiter verletzt und entstellt am Boden. Tiefe Furchen ziehen sich seither durch sein einst so hübsches Antlitz. Schuld daran bin nur ich, die ich das Handy fallen gelassen habe. Warum hat eigentlich noch niemand über diesen Schmerz ein Lied geschrieben? Wie es sich anfühlt, wenn das geliebte Gerät kaputt wird? Ich hätte schon ein paar Titel parat: "Ich will nur mit dir (ins Internet)", "Sag, dass du noch eine E-Mail für mich hast". Und freilich als Coverversion "Tausendmal vibriert, tausendmal ist nix passiert." Digitalia ist die wöchentliche IT-Kolumne des Falter. Diese Kolumne wurde in Ausgabe 29/10 veröffentlicht Ein Handy, das man nicht in der Hand halten sollteSunday, August 8. 2010 Na toll, Apple hat ein Handy entwickelt, mit dem man nicht telefonieren kann - zumindest, wenn man das Gerät falsch in der Hand hält. Bei einigen Usern tritt dieses Problem auf. Wenn sie ihr neues iPhone 4 mit den Fingern umschließen, haben sie plötzlich einen schlechten Empfang. Das allein ist zwar schon ärgerlich. Wirklich frech ist aber die öffentliche Reaktion darauf. Erst erklärte Apple, die User sollen ihr Handy anders anfassen, wenn das Problem auftauche. Jetzt meint der Konzern, dass kein Hardware-, sondern nur ein Softwarefehler bestünde. Dieser würde bald ausgemerzt. Ob die Lösung tatsächlich so einfach für Apple ist, wird sich zeigen. Sollten dem Unternehmen aber die Ausreden ausgehen, hätte ich ein paar Ideen: Nein, nicht unser Telefon ist kaputt, wir wollten nur die Face-to-Face-Kommunikation fördern. Wir können wirklich nichts dafür, über die gesamte Welt hat sich auf einmal ein Funkloch gelegt. Wenigstens weiß ich jetzt, woher das Wort veräppeln kommt.Digitalia ist die wöchentliche IT-Kolumne des Falter. Dieser Text ist in Ausgabe 27/10 erschienen. Foto: Flickr-User Superstrikertwo Die bösen DreiSunday, June 6. 2010
Du sollst keine Pornos schauen, wir dürfen deine Daten sammeln, verheimliche nichts vor der Welt. Google, Apple und Facebook wollen dem Konsumenten ihr Weltbild aufzwingen
Glücklich sah Mark Zuckerberg nicht gerade drein, als er seinen Text vor der Kamera ablas. Mit dem Video richtete er sich an seine 400 Millionen Facebook-User und versicherte ihnen, die Privatsphäre-Einstellungen würden nun nachgebessert. Alle wichtigen Optionen sollen künftig auf einer Seite zusammengefasst werden. So werde es einfacher, sich vor fremden Blicken zu schützen.Ehe es zu dieser Einsicht kam, musste Zuckerberg öffentlich abgemahnt werden. „Facebook gerät außer Kontrolle“, schrieb das bedeutsame Technikmagazin Wired. Und die New York Times fragte, ob die Regierung einschreiten solle. Zuckerbergs Einlenken ist bezeichnend für Facebook. Ständig führt die Social-Network-Seite Änderungen durch, die den Usern die Kontrolle ihrer Privatsphäre erschwert. Erst wenn genügend Kunden vor Wut aufschreien, rudert Firmenchef Zuckerberg zurück. Aber Facebook ist nicht das einzige Unternehmen in Erklärungsnot. Derzeit stehen jene drei Weltkonzerne in der Kritik, die wohl die größten Profiteure der vernetzten, mobilen Web-Gesellschaft sind: Facebook, Google und Apple. Der Erste soll die Nutzer zunehmend zum Offenlegen ihrer persönlichen Informationen drängen. Der Zweite hat Daten abgefangen, die ihn nichts angehen. Und der Dritte entscheidet allein, welche Programme aufs iPhone und iPad dürfen – und welche nicht. Unterschiedliche Kämpfe tragen die drei Firmen aus. Es geht um Datenschutz, Kundenfreundlichkeit, Zensurvorwürfe. Wegen des Gewichts der Unternehmen geht es aber auch um die Frage: Wer bestimmt Vision und Norm für das digitale Zeitalter? Sind das Facebook, Google und Apple? Google hatte schon immer eine Mission: Finde alle Informationen dieser Welt, organisiere sie und mache sie zugänglich. Zuerst brachte die Suchmaschine Ordnung ins Chaos namens World Wide Web. Dann verbreitete es Nachrichten, Bücher und Satellitenaufnahmen. Seit 2007 sendet der Konzern Autos mit eingebauten Kameras aus. Für den Dienst „Google Street View“ fotografieren die Fahrzeuge ganze Straßenzüge und Städte. Die reale Welt soll eingefangen, digitalisiert und offengelegt werden. Dabei ist dem Unternehmen neulich ein Hoppala passiert. Seine Street-View-Autos haben sensible Daten eingefangen. Versehentlich, sagt Google. Auch in Österreich ist das passiert, wie der Falter berichtete. Das börsennotierte Unternehmen macht vieles, von dem die User nichts wissen. Google-Autos knipsen nicht nur Fotos, sie erfassen auch Daten offener Funknetzwerke, sogenannter WLANs. Mit diesen Standortdaten soll die Firma künftig Handybesitzer leichter orten können. Doch beim Ausforschen der WLAN-Standorte speicherte das Unternehmen private Informationen ab, etwa E-Mails. Österreich will nun strengere Gesetze einführen und solches Datensammeln unter Strafe stellen. Der Einsatz der Street-View-Autos ist vorerst verboten. Mit den Datenmengen macht Google Geld, fast 24 Milliarden Dollar Umsatz waren es im Vorjahr. 97 Prozent davon sind Werbeeinnahmen. Je mehr Dienste Google ins Web stellt, desto mehr Klicks, desto genauere Informationen über seine User und desto mehr Anzeigengelder generiert es. Mit seinem Handy Nexus One und dem eigenen Mobiltelefon-Betriebssystem ist Google nun auch am mobilen Werbemarkt aktiv. Dieser Artikel ist die Cover-Geschichte des Falter, Ausgabe 22/10 Das Problem daran: Google scannt zuerst und fragt später. Bei den „Google Books“ kam es erst nach Gerichtsterminen, Protesten europäischer Politiker, Autoren und Verlage zu einer Einigung. Für die einen ist Google eine Chance, auf nie da gewesene Informationsmengen zuzugreifen. Für die anderen ist es eine Gefährdung ihrer Einnahmequellen oder Privatsphäre. Facebook wendet einen anderen Trick an. Während Google selbst alles abfotografiert, motiviert das Netzwerk seine Mitglieder, ihre Daten und Fotos hochzuladen. Das ermöglicht neue Werbeformen. „Händler wissen das schon lange: Wenn mir etwas von einem Freund empfohlen wird, tue ich das viel eher“, sagt etwa Sheryl Sandberg, Chief Operating Officer des Webdienstes. Eine Milliarde Dollar Umsatz könnte Facebook heuer erstmals machen, rechnet das Branchenblog „Inside Facebook“ vor. Der 26-jährige Firmenchef Zuckerberg läuft im Kapuzenpulli herum, gibt sich idealistisch und spricht darüber, wie er seinen Usern die Kontrolle über ihre Daten ermöglicht. Doch gerade diese Kontrolle wurde mit der Zeit schwieriger. Anfangs waren alle User-Profile privat, heute sind sie standardmäßig öffentlich. Wer profitiert davon? Facebook. „Bait and switch“, ködern und umstellen, nennt der Jurist Chris Hoofnagle vom Berkeley Center for Law & Technology diese Praxis. Facebook und Google seien Meister darin. „Früher haben Firmen ein Produkt beworben und dann ein anderes verkauft, wenn der Kunde ins Geschäft kam. Heute passiert das nach und nach, das Unternehmen startet mit privatsphärefreundlichen Einstellungen und bewegt sich langsam weg davon.“ Google sei dazu übergegangen, das Surfverhalten seiner User zu dokumentieren und diese dann gezielt zu bewerben. „Anfangs warb die Firma noch damit, dies nicht zu tun“, sagt Hoofnagle. Als Google dies später änderte, habe es das nicht einmal den Usern kommuniziert. Die Kritik an der Datengier und dem Transparenzdrang können die Firmenchefs oft nicht nachvollziehen. Das liegt auch an ihren Wertvorstellungen. „Wir haben eine Identität. Die Tage, an denen man ein anderes Auftreten gegenüber den Freunden oder den Arbeitskollegen pflegte, kommen bald zu einem Ende. Zwei Identitäten zu haben, ein Zeichen von fehlender Integrität“, sagte Zuckerberg. Google-CEO Schmidt erklärte: „Wenn es etwas gibt, von dem Sie nicht wollen, dass es irgendjemand erfährt, sollten Sie es vielleicht gar nicht erst tun.“ Doch nicht die ganze Welt funktioniert wie das Silicon Valley, wo man mit Flip-Flops in die Arbeit geht und den Chef beim Vornamen anspricht. Manche von uns haben gute Gründe, warum sie sich in ihrer Firma anders geben als unter Freunden. Manche Menschen sind sogar Dissidenten in politischen Regimes und müssen sich fürchten, wenn Google ihre Gesprächspartner veröffentlicht. Das passierte neulich, als der Internetriese seinen Webdienst Buzz startete. Plötzlich war die Kontaktliste vieler User einsehbar. Apple stößt in der aktuellen Debatte nicht wegen seinen Vorstellungen über Privatsphäre auf Kritik, sondern weil der Konzern seine Kunden auf andere Weise bevormundet. Wer heute ein iPhone oder iPad kauft, kann nicht frei entscheiden, welche Software er darauf installiert. Applikationen laufen nur dann, wenn Apple dies zulässt. Über den sogenannten „App-Store“ können die User gratis oder gegen Geld Software herunterladen. Apple schmeißt manche dieser „Apps“ aber aus dem Laden, weil sie zu viel nackte Haut zeigen oder politisch zu kontroversiell sind. Im Februar löschte Apple mehr als 6000 Applikationen mit erotischem Inhalt. 2008 lehnte der Konzern die iPhone-Applikation „Freedom Time“ ab: Diese Uhr zählte die Tage, Stunden und Sekunden herunter, die George W. Bush noch als US-Präsident blieben. Apple-Chef Steve Jobs wollte nicht jene Kunden vergraulen, die Bushs Politik anhängen. Das iPad gibt es nun auch in Deutschland, nach Österreich kommt der Touchscreen-Computer im Juli. Jobs nennt das Gerät „revolutionär“. Revolutionen haben aber etwas mit Freiheit zu tun, regte sich ein Blogger per Mail auf. Jobs antwortete: „Ja, Freiheit von Programmen, die deine privaten Daten stehlen. Freiheit von Programmen, die deine Batterie ausquetschen. Freiheit von Pornografie.“ Der App-Store des iPad ist das virtuelle Ebenbild einer amerikanischen Shopping-Mall: schön, sicher, sauber – und von ebendiesen Moralvorstellungen geprägt. Diesen Trend findet Web-Vordenker David Weinberger vom Berkman Center in Harvard bedenklich. „Problematisch wird es dann, wenn dieses Konzept überhandnimmt. Wenn nicht nur Apple das macht, sondern auch die anderen Computerhersteller einschränken, was auf ihren Geräten passieren darf“, sagt er.Bisher konnten Benutzer frei über ihre Computer verfügen. Das hatte Schattenseiten, wenn sie tolpatschig waren und Viren einfingen oder wenn sie dank Internet nur noch raubkopierte Musik gratis konsumierten, es hatte aber klare Vorteile, weil es Innovation fördert, wenn jeder frei herumklicken, herumprogrammieren und herumschrauben darf. Der Telefondienst Skype ist ein gutes Beispiel dafür: Er konnte sich durchsetzen, weil den Kunden das Gratistelefonieren im Netz gefiel. Was wäre passiert, hätten die Skype-Entwickler erst um Erlaubnis bei den Telekomunternehmen bitten müssen? Googles informelles Firmenmotto lautet „Don’t be evil“. Facebook hat den treuherzig dreinblickenden Zuckerberg. Auch Apple gab sich einst als freiheitsliebender Rebell. Sein weltberühmter Werbespot „1984“ zeigt endlose Reihen gleichgeschalteter Arbeiter, die auf einer riesigen Leinwand dem „Big Brother“ zuhören. Eine junge Frau läuft mit einem großem Hammer herbei, bewaffnete Polizisten rennen ihr nach, sie wirft den Hammer, das Ding zerschmettert die Leinwand. Die versklavte Menge ist befreit. Dann das Apple-Logo: „Think different“. Heute müsste es wohl „Think like us“ heißen. Lange Zeit herrschte im Netz der Glaube, der Markt werde solche Probleme ausgleichen. Der Staat solle sich nicht im Web einmischen, nicht zum Big Brother werden. Bis zu einem gewissen Grad stimmt das noch immer. Wem das restriktive Vorgehen von Apple missfällt, der kann jederzeit auf Google und dessen Handy-Software umsteigen. Google schmückt sich ganz bewusst damit, Entwicklern keine Vorgaben zu machen. Aber ganz ohne staatliche Aufpasser funktioniert es auch nicht. Das zeigen die jüngsten Erfahrungen. In den USA hat der FallFacebook eine Regulierungsdebatte gestartet. In Europa muss sich Google nun rechtfertigen. Dieser Druck ist vernünftig, denn der einzelne Konsument ist oft zu schwach, um in Cupertino, Mountain View oder Palo Alto, den kalifornischen Firmensitzen der drei Unternehmen, etwas zu bewirken. Die kritische Aufmerksamkeit der User ist aber weiterhin wichtig, um den Konzernen nicht die Deutungshoheit über das Internet zu überlassen. Es ist nicht die Aufgabe von Facebook, Google oder Apple zu definieren, wie sich Menschen im Netz verhalten sollen. Auch wenn die Firmen das zum Teil glauben. In seinem Video an die Facebook-Community sagt Zuckerberg: „Wenn Menschen mehr teilen, wird die Welt offener und besser vernetzt. Und in einer offeneren Welt werden viele der größten Probleme, denen wir gemeinsam begegnen, einfacher lösbar.“ Das ist eine schöne Utopie – aber nur solange sie nicht impliziert, dass die perfekte Welt jene ist, in der wir sämtliche Informationen mit anderen teilen. Sollte Mark Zuckerberg das glauben, dann hat er die Lektion des Protests nicht verstanden. Die abgebildete Apple-Parodie stammt von Flickr-User Martin Krzywinski
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Die Zukunft des Buchs? Nein, Fix und Foxi!Monday, May 17. 2010Digitalia ist die wöchentliche IT-Kolumne des Falter. Diese Kolumne wurde in Ausgabe 15/10 veröffentlicht. Foto: Kauka.de iFadWednesday, May 5. 2010
Apple hat den Computer neu erfunden. Das iPad degradiert den User zum passiven Konsumenten
![]() "Dieses Gerät hat das Potenzial, die Welt portabler Geräte tiefgreifend zu verändern und die Vorherrschaft des Laptops anzugreifen“, sagt das Wall Street Journal. „Das iPad wurde von einer Gruppe von Perfektionisten entworfen und gebaut. Wer das Konzept mag, wird das Gerät lieben“, schreibt die New York Times. „Der Apparat macht einfach Sinn“, urteilt das PC Magazine. 13 Millimeter breit, 700 Gramm leicht mit einem Bildschirm, der so groß ist wie ein DIN-A5-Blatt – so sieht der begehrteste Computer am Markt aus. In den USA ist das iPad ab sofort erhältlich – ab 499 Dollar aufwärts. Hersteller Apple spricht von einem „magischen und revolutionären“ Produkt. Doch revolutionär ist das Gerät nicht, weil es etliche neue Tricks beherrscht – im Gegenteil: Das iPad kann vieles absichtlich nicht. Es eignet sich nicht zum Verfassen langer Texte, man kann damit nicht mehrere Anwendungen parallel laufen lassen oder selbst zum Programmierer werden. Vielmehr verändert es den Computer von einem kreativen Werkzeug hin zu einem Multimedia-Tool. Der Benutzer wird vom aktiven Mitgestalter zum passiven Konsumenten. Früher saß man am Computer nach vorne gebeugt, die Hand auf der Maus, der Nacken war steif. Das iPad hingegen ist ein Medium zum Zurücklehnen. Im „App-Store“ können die Benutzer gratis oder gegen Geld Applikationen herunterladen, die „Apps“. Von der digitalen Ausgabe der New York Times über ein digitales Bücherregal mit eBooks bis hin zum Computerspiel reicht die Auswahl. Noch nie war es so bequem, Multimedia-Inhalte am Computer zu konsumieren, heißt es in ersten Tests. Dieser Komfort hat allerdings seinen Preis: die Wahlfreiheit. Der kalifornische Weltkonzern bestimmt, welche Apps am iPad installiert werden können. Auch den Preis gestaltet Apple mit. Wenn eine Anwendung der Firma nicht genehm ist, fliegt sie raus. Das passierte zum Beispiel dem stern-Magazin, als es in seiner iPhone-Ausgabe eine Erotikgalerie zeigte. Apple sperrte die gesamte Applikation für einige Wochen. Dann einigten sich stern und der Konzern darauf, dass in der mobilen Magazinversion die Brüste von entblößten Mädchen verpixelt und somit unkenntlich gemacht werden. Nackte Haut ist den Amis zuwider, daran müssen sich auch europäische Printprodukte halten, wenn sie im App-Store Geld machen wollen. Die Einschränkungen gehen sogar so weit, dass sich iPhone- und iPad-Besitzer nicht grenzenlos im Web bewegen können. Apple erlaubt nicht das Flash-Plugin der Softwarefirma Adobe. Dabei laufen die meisten Onlinevideos, viele Webgames und Webseiten nur damit. Wer ohne Flash die Nachrichtenseite Spiegel.de besucht, kann sich nicht die Videoclips ansehen, wer die Homepage des Café Prückel besucht, stößt nur auf eine Fehlermeldung. Apple verbietet Flash, weil es angeblich unsicher und langsam sei und überdies zu viel Strom fresse. Da ist schon etwas dran, nur gibt es noch einen weiteren Grund, warum das Unternehmen so rigide vorgeht: Mit der Adobe-Software lassen sich auch kleine Computerspiele oder Web-Applikationen programmieren, die in direkter Konkurrenz zu den Kaufprodukten in App-Store stünden. Da würde sich Apple das eigene Geschäft verderben. Lieber sperrt es seine User aus Teilen des Internets aus. Alle spielen mit, auch die Medienhäuser entwickeln eifrig iPad-Applikationen. Sie hoffen, dass der Konsument durch den handlichen Minicomputer endlich seinen rechtmäßigen Platz einnimmt: als zahlender Kunde. Über das iPad soll er wieder lernen, Geld für Nachrichten auszugeben. Das iPad ist vor allem eine Geldmaschine. Zuerst wird der Konsument mit viel Werbung, großspurigen Ansagen, hübschem Design und den vielen Gratisapplikationen gelockt. Hat er einmal das Ding in der Hand, wird er ständig zum Kauf motiviert: Tolle neue Bezahlprogramme werden vorgestellt, mit ein paar Klicks können sich amerikanische User mobiles Internet kaufen. Das kostet 30 Dollar pro Monat. Auch für Leistungen, die am iPhone noch kostenlos waren, verlangt Apple Geld: Gratis gibt es nur ein Softwareupdate. Wer zum Beispiel die Version 4.0 mitgeliefert bekommen hat, erhält das Update auf 5.0 noch gratis. Bei der Version 6.0 muss er dann zahlen. Wer eine Tastatur ans iPad anschließen will, findet dafür keinen USB-Anschluss, sondern muss 69 Dollar für einen speziellen Adapter hinblättern. Wer seine Fotos direkt auf das Gerät überspielen will, braucht das „iPad Camera Connection Kit“. Das kostet weitere 29 Dollar. Natürlich ist es nicht neu, dass Computerhersteller Profit machen wollen. Das iPad treibt dieses Konzept aber auf die Spitze. Bis vor kurzem wusste der Konsument gar nicht, dass er ein solches Gadget überhaupt braucht. Nun wird ein geschlossenes System beworben, in dem er nur mehr konsumieren kann, was ihm Apple anbietet oder zulässt. Eine „Entmündigung der Bürger“ nennt das Jörg Kantel, Blogger und EDV-Leiter am Max-Planck-Institut, in der FAZ. Ausgerechnet eingefleischte Technikfreaks kritisieren also das Produkt. Sie sind jene, die gerne an den Geräten herumbasteln, möglichst frei damit herumspielen wollen und es gar nicht ertragen, wenn man ihnen zu strenge Vorschriften macht. All das tut das iPad. Medientheoretiker unterscheiden zwischen „Pull-“ und „Push-Medien“. Push-Medien geben den Konsumenten sehr stark vor, welche Inhalte sie nutzen können. Der Fernseher liefert zum Beispiel eine Auswahl an Programmen, der Konsument kann gerade noch den Kanal wählen und sich dann berieseln lassen. Ein klassisches Push-Medium also. Der Computer hingegen ist Pull: Sein Benutzer zieht sich selbst die Informationen aus dem Netz, er stellt sich sein eigenes Programm zusammen, kann sogar zum Programmierer, Regisseur oder Autor werden. Das könnte sich nun ändern. Mit dem iPad wird der Computer zum Push-Medium degradiert. Realistisch betrachtet wird das vielen Konsumenten gefallen. Nicht jeder will selbst Anwendungen entwickeln oder zuhause arbeiten. Viele haben für diese Tätigkeit ohnedies schon genügend Geräte, warum nicht noch ein zusätzliches für die Freizeit, für die lange Zugfahrt oder den gemütlichen Abend am Sofa? Was dem einen an dem Ding gefällt, schreckt die anderen ab. iPad ja oder nein? Letztlich ist das eine Ideologiefrage. Die Antwort hängt davon ab, wie sehr man am Computer als kreativem Gerät festhält oder sich dem Konsum hingibt. Dieser Kommentar ist im Falter 14/10 erschienen. Illustration: Jochen Schievink
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E-Mail von GottMonday, April 5. 2010 Unglaublich! Gott hört uns also doch zu, und manchmal antwortet er auch per E-Mail. Mit „Gott“ meine ich natürlich Steve Jobs, Chef und spiritueller Leiter von Apple. Vereinzelt reagiert er auf Konsumentenmails. Zum Beispiel wollte ein Schwede wissen, ob er künftig sein iPhone auch als Modem fürs iPad verwenden und damit Geld sparen könne. „Nein“, antwortete Jobs. Mehr schrieb er nicht, mehr hat er nicht nötig. Selbst einsilbige Rückmails nehmen die Apple-Jünger wie große Botschaften auf. Aber wenn man nur eine Frage frei hat, sollte man gut überlegen. Ein Italiener erkundigte sich etwa, ob man am iPad auch Gratisbücher lesen könne. „Yep“, mailte Jobs. Auf No-na-Fragen bekommt man No-na-Antworten. Mich würden viel wesentlichere Dinge interessieren. Welchen Konkurrenten hasst Steve Jobs mehr – Google oder Microsoft? Wie viele schwarze Rollkragenpullis hat er, warum trägt er nie etwas anderes? Und wozu soll das iPad gut sein? Die Adresse von Gott lautet übrigens sjobs@apple.com.Digitalia ist die wöchentliche IT-Kolumne des Falter. Diese Kolumne wurde in Ausgabe 13/10 veröffentlicht. Foto: Flickr-User acaben Ein Gadget für uncoole Apple-JüngerThursday, February 11. 2010 Ich wollte diese Woche wirklich, wirklich nichts über den iPad schreiben. Doch ich bin gescheitert. Egal welche Webseite ich besuchte, egal welche Zeitung ich aufschlug, überall ging es um die neueste Revolution aus dem Hause Apple. Ich habe nach spannenden anderen Neuigkeiten gesucht, aber es gab nur dieses eine Thema. Bisher war ich ein bekennendes Apple-Fangirl, doch dieser Hype nervt. Wenn das so weitergeht, kaufe ich mir das Gerät aus Protest nicht. Ich habe es satt, das Gesicht von Firmenchef Steve Jobs zu sehen, der mir in regelmäßigen Abständen einredet, welches teure Gadget ich unbedingt kaufen muss. Mittlerweile gibt es nichts Uncooleres, als ein Apple-Jünger zu sein. Die halbe Welt besitzt bereits ein iPhone, fast jeder Kaffeehaustisch wird zugepflastert mit silbernen Mac Book Pros, und beim Joggen tragen alle ihre weißen Ohrstöpsel. Mir ist das schon peinlich, deswegen habe ich mir schwarze Ohrstöpsel für mein iPhone gekauft. Das wird Steve Jobs bestimmt ärgern.Digitalia ist die wöchentliche IT-Kolumne des Falter. Dieser Text wurde in Ausgabe 03/10 veröffentlicht. Foto: Flickr-User Matt Buchanan Wie Google und iPhone die Welt veränderten - ein RückblickSunday, January 10. 2010
Anfang 2000 befand sich Apple auf dem absteigenden Ast, der Duden kannte das Verb „googeln“ noch nicht, und unsere Urlaubsfotos ließen wir auf Film entwickeln. Das alles ist Geschichte. Die Nullerjahre waren ein technologischer und gesellschaftlicher Wendepunkt
![]() - Hier klicken zum Vergrößern Als wir unser Leben ins Internet auslagerten Das Web war Anfang des Jahrtausends ein unentdecktes Land. Zugegeben, man konnte dort durch die Gegend surfen, Infos sammeln oder mit Fremden chatten. Aber genauso gut konnte man den Computer ausgeschaltet lassen, eine Zeitung aufschlagen oder mit der Nachbarin sprechen. Das Internet war ein schickes Spielzeug, eine Zukunftshoffnung. Unverzichtbar war es noch nicht. Dann aber wandelten wir immer größere Teile unseres Lebens in Nullen und Einsen, in digitalen Code, um: Die Lieblings-CD in MP3s, die Urlaubsfotos in JPGs, unser Privatleben in Facebook-Nachrichten. Diese Entwicklung hatte lange vor der Jahrtausendwende begonnen, nun aber trieb sie ein Heer an Internetusern im Eiltempo voran. Gemeinsam bauten sie das Web 2.0, plötzlich wurde es online richtig interessant. Das ist längst nicht die einzige Erkenntnis aus den letzten zehn Jahren. Das Web feuert Revolutionen an. In den USA startet Barack Obama 2007 seinen Onlinewahlkampf, im Iran organisiert sich die Protestbewegung 2009 über Twitter. Zum Ende des Jahrzehnts zeigt sich immer deutlicher, dass das Web neue Arten der Mobilisierung ermöglicht. Eigentum wird zum Kampfbegriff. Zur Jahrtausendwende leitet Napster den Untergang der Musikindustrie ein. Napster ist mittlerweile tot, geblieben ist aber der Glaubensstreit des Copy-and-Paste-Zeitalters: Funktioniert das herkömmliche Urheberrecht noch? Dass dies viele Menschen verneinen, zeigt die Gründung der Piratenpartei. Die schwedischen Piraten sitzen mittlerweile sogar im Europaparlament. Menschen als mobile Sklaven. USB-Stick, Laptop, iPhone. Unsere Geräte wurden kleiner, cleverer und mobiler. Die Flexibilität führt aber auch zu permanenter Ablenkung und dem Drang, stets erreichbar zu sein. Gute Ideen sind nicht genug. Es ist kein Zufall, dass YouTube erst 2005 startete. Ein Videoportal kann erst dann florieren, wenn genügend Menschen schnelles Internet haben. Das war 2000 nicht der Fall. Die Nullerjahre waren nicht nur eine Dekade der neuen Ideen, sondern auch der neuen Technik. Wir verbrachten einen guten Teil der Zeit damit, Kabel zu verlegen, größere Festplatten zu kaufen oder Handymasten zu errichten. Erst dann ließen sich viele clevere Einfälle umsetzen. Über das Geld denken wir später nach. 2008 nahm Google fast 22 Milliarden Dollar ein, doch mit Youtube hat es noch keinen Cent verdient. Facebook jubelte im September, weil es erstmals kein Minus machte. Viele Webdienste, Musikservices oder Nachrichtenseiten sind bisher Geldverbrennungsanlagen statt Cashcows. Diese Frage wird uns ins nächste Jahrzehnt begleiten: Wie wandelt man den regen Zulauf in Geld um? Dieser Artikel und die obige Grafik wurden im Falter 52/09 veröffentlicht. Die Bildrechte liegen bei den jeweiligen Produktherstellern
Posted by Ingrid Brodnig
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Total veräppelt! So doof sind wir KonsumentenFriday, September 11. 2009 Eines der größten Rätsel der IT-Geschichte ist gelöst. Warum hat Apple als Logo ausgerechnet einen angebissenen Apfel? Soll es die Datenmenge Byte symbolisieren, ähnlich geschrieben wie der englische Biss? Nein. „Ich habe aus Skalierungsgründen einen Biss hinzugefügt, damit die Leute verstehen, dass es ein Apfel und keine Kirsche ist“, erklärte der Designer Rob Janoff neulich. Er arbeitete 1977 für die Werbeagentur von Apple. Doch warum hatte sich das Unternehmen überhaupt nach einem Obst benannt? Steve Jobs behauptet, dass er bei der Firmengründung noch Frutarier gewesen sei. Er aß demnach nur Obst und drohte seinen Kollegen mit „Apple“, damit sie sich endlich einen gescheiten Namen überlegen. Das half anscheinend nichts und das Äpfelchen musste her. Designer Janoff jedenfalls mag den Namen. „Damals erschien die Idee eines Computers im eigenen Heim etwas bedrohlich“, sagt er. So ein Apfel im Logo und das Produkt wirkt gleich viel untechnischer. Da fragt man sich: Wie blöd sind wir Konsumenten eigentlich?Digitalia ist die wöchentliche IT-Kolumne des Falter. Dieser Text wurde in Ausgabe 37/09 veröffentlicht Vom Schnösel-Handy zum Hausfrauen-TelefonTuesday, May 5. 2009 Kann sich eigentlich noch jemand an die Zeiten erinnern, als das iPhone noch als Luxusprodukt gegolten haben soll? Es ist gar nicht so lange her, da staunten alle, wenn einer das Ding aus der Tasche zauberte und mit den Fingern darauf herumzoomte. Der Aha-Effekt hat sich schnell abgenützt. Mittlerweile wird das Land mit Apple-Handys richtig überschwemmt: Das Gerät kostet fast nichts mehr, die halbe U-Bahn telefoniert damit und selbst in Fernsehsendungen schicken sich die Protagonisten via Apple Nachrichten zu. Da fühlt man sich fast wie ein Mitläufer, wenn man ebenfalls eines besitzt. Aber eigentlich ist das ja fast schon wieder charmant, diese Wandlung vom Schnösel-Handy zum Hausfrauen-Telefon. Für Apple ist die Breitenwirksamkeit ziemlich praktisch. Mitten in der Wirtschaftskrise hat das Unternehmen seinen Gewinn nochmals vergrößert. Der Erfolg hat allerdings auch Schattenseiten. Schon jetzt gibt es überzeugte iPhone-Hasser. Wehe also, wenn Apple weiter zulegt. Vielleicht wird es dann gleich beliebt wie Microsoft.Ein Video für iPhone-Hasser. Don't try this at home. Digitalia ist die wöchentliche IT-Kolumne des Falter. Dieser Text wurde in Ausgabe 18/09 veröffentlicht.
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