Die Lunge wird verkohlt, die Haut grausig, und die Spermatozoen machen schlapp. All diese Warnhinweise stehen längst auf den Tschikpackerln – und werden ignoriert. Doch nun lässt sich nicht mehr leugnen, wie gefährlich Rauchen ist. In Linz blieb eine junge Frau mit ihrer Hand im Zigarettenautomaten stecken, sie wollte ein verkeiltes Päckchen herausfischen und verbrachte dann eine ganze Stunde vor dem Gerät. Die Rettung stand hilflos daneben, Passanten witzelten über die arme Frau, die Polizei fahndete nach dem zuständigen Trafikanten. Der wunderte sich, wie man im Zigarettenautomaten steckenbleiben kann. Es funktioniert jedenfalls. Die Raucher müssen sich fürchten. Sie wissen nicht, wann es passieren und wen es treffen wird. Aber eines ist sicher: Es ist nur eine Frage der Zeit, bis die nächste Hand gefressen wird.
Diese Glosse erschien im Falter 49/09. Der obige Screenshot zeigt die Frau, kurz bevor sie im Automaten steckenblieb. Screenshot und Video: ORF.at
Zum Glück gibt es Fernsehen. Es befreit uns vom Ernst des Lebens und lässt uns auch über heikle Themen lachen. Denn es gibt kein Problem dieser Menschheit, aus dem sich nicht eine Gameshow machen ließe. Schwangere Teenager und zerrüttete Familien waren schon dran. Wer muss als Nächstes herhalten? Gott. Ein türkischer Privatsender plant eine Show, bei der Vertreter vierer Weltreligionen versuchen, möglichst viele Atheisten umzupolen. Die Konvertierten dürfen dann gratis ins spirituelle Zentrum ihres neuen Glaubens reisen. Eine tolle Idee. Sie ließe sich auch auf andere globale Dispute umlegen. Etwa den Kampf der Ideologien. Da könnten dann ein Kommunist, ein Neonazi und ein Liberaler gemeinsam ins Big-Brother-Haus einziehen. Hört sich gleich viel lustiger an als die leidigen Wahlsendungen!
Wolfgang Lorenz vertraut nur auf eine Meinung: die eigene. Hat sich der ORF-Programmdirektor einmal etwas in den Kopf gesetzt, hält er daran fest – auch wenn er ganz alleine damit dasteht. Das war bereits so, als Lorenz „Mitten im 8en“ vehement bis zur Absetzung verteidigte. Seine sture „Das Publikum is mir wurscht“-Haltung zeigte er auch neulich beim Grazer Elevate-Festival (Augenzeugenbericht hier). Da zog er wörtlich über das „scheiß Internet“ her und machte jene Teile des Publikums nieder, die ihm widersprachen. Lorenz ist eben keiner, der der Jugend aufs Maul schaut. Wenn sich diese lieber ins Internet „verkrümelt“ anstatt fernzuschauen, dann wird sie vom ORF halt ignoriert. Selber schuld, ihr pubertären Wappler! So ungefähr argumentierte der Programmchef. Klar weiß er, was die Zukunft des Fernsehens ist: das Fernsehen, was sonst?
Weiterführendes
- Heinz Wittenbrink hat übrigens einen sehr guten Blogeintrag dazu verfasst, wie nun langsam eine verlinkte Öffentlichkeit in Österreich entsteht.
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Ins Netz gehen oder doch lieber "Mitten im 8en" schauen? Hier eine Entscheidungshilfe von Rolf Rüdiger: