Manchmal bin ich plötzlich – und ganz unschuldig – Schwarzfahrerin. Ich kaufe gerne per Handy mein Ticket für die Öffis. Das kostet ein SMS und 4,20 Euro pro Tag. Das Dilemma daran: Oft fällt mein Handy-Akku nachmittags oder abends aus. Dann stehe ich bei der Heimfahrt ohne digitalen Fahrschein da und fürchte mich vor Schwarzkapplern. An manchen Tagen telefoniere ich deswegen extra wenig oder checke E-Mails nur selten. So spart das iPhone Strom. Auch die New York Times hat den Ärger über schlechte Smartphone-Akkus erkannt und ein paar Tipps gegeben. Zum Beispiel kann man die Helligkeit des Bildschirms verringern oder E-Mails nicht mehr automatisch abrufen. Mir nützen diese Ideen nichts: Ich will nicht blind werden, nur weil ich einen dunklen Bildschirm anstarre, und möchte immer sofort wissen, wenn ein E-Mail eintrifft. Ich werde eine andere Strategie einschlagen und nehme nun immer ein Ladegerät mit. Jetzt muss ich nur noch die Steckdosen in der U-Bahn finden.
Digitalia ist die wöchentliche IT-Kolumne des Falter. Diese Kolumne wurde in Ausgabe 11/10 veröffentlicht
Wahnsinn, unser hochtechnologisches Leben ist voll riskant. „Zu viele SMS gefährden die Gesundheit“, war neulich im Internet zu lesen. Da erklärten amerikanische Forscher, dass exzessives SMS-Tippseln zu Schmerzen in Hals, Schulter und Hand führen könne. Grund sei die steife Haltung, die wir Handynutzer dabei einnehmen. Starrer Blick, angespannter Nacken, verkrampfter Daumen, das ist ungesund. Genau genommen lauert die Gefahr überall. Wir stehen in der Früh auf, gehen ins Bad. Da könnten wir gleich in der Wanne ausrutschen. Am Weg zur Arbeit in der U-Bahn husten einen dann lauter Fremde an. Die haben bestimmt alle die Schweinegrippe. Und selbst wenn wir dann im Büro ankommen, setzen wir uns gleich vor den Computer. Der ruiniert Augen und Rücken. Schlimm ist das. Was wohl meine Oma dazu gesagt hätte? Die Frau hat übrigens einen Weltkrieg, drei Kinder und eine schweren Autounfall überstanden. Aber das SMSen, das hätte ihr sicherlich total zugesetzt.
Digitalia ist die wöchentliche IT-Kolumne des Falter. Dieser Text wurde in Ausgabe 47/09 veröffentlicht.
Was bringt die Zukunft? Vielleicht Geräte, die gut versteckte Landminen orten können? Elektrisches Zubehör, das sich nach Beschädigung selbst heilt? Oder gar eine künstliche Netzhaut, die erblindende Menschen sehen lässt? Klingt nach Science-Fiction, all diese Dinge wurden aber schon entwickelt. Wer wissen will, welche technischen Revolutionen auf uns zukommen, kann im amerikanischen R&D Magazine nachlesen. Dieses veröffentlicht jährlich eine Liste mit den 100 spannendsten Entwicklungen. Unter die Top 100 haben es auch Forscher aus Taiwan geschafft. Sie fabrizierten einen Stoff, der Akkus sicherer macht. Der Durchschnittskonsument ahnt gar nicht, wie gefährlich so ein Handy- oder Laptop-Akku werden kann. Immer wieder kommt es dazu, dass die Dinger heißlaufen, Feuer fangen oder gar explodieren. Dank der Taiwanesen soll das bald verhindert werden. Auch das ist ein kleiner Schritt für die Menschheit. Denn wer möchte schon, dass das Handy explodiert, während man es ans eigene Ohr hält?
Explodierendes Handy in Slow-Motion
Digitalia ist die wöchentliche IT-Kolumne des Falter. Dieser Text wurde in Ausgabe 40/09 veröffentlicht
Er ist erst 15 Jahre alt und schon ein Star. Matthew Robson ist jener Jungpraktikant, der für die Investmentbank Morgan Stanley den Medienkonsum von Jugendlichen beschrieben hat. Seine Beobachtungen schienen den Bankern so brisant, dass sie sie gleich hinausposaunten. Jetzt ist Robson der Liebling der Medien. Dabei sind seine Rechercheergebnisse recht erwartbar. Cool finden die Kids beispielsweise Geräte mit Touchscreen, wer hätte das gedacht? Insgesamt zeichnet sich ein Bild von Jugendlichen, die zwar alles konsumieren, aber für nichts zahlen wollen. Egal, ob es sich um Musik oder Zeitungen handelt. Das liegt einerseits daran, dass Teenager nicht unendlich viel Taschengeld haben. Und andererseits daran, dass die Gratismentalität generell wächst. Hergeschenkte Zeitungen wie Heute lesen ja nicht nur 15-Jährige. So gratis, wie die Gratisangebote tun, sind sie aber nicht. Immerhin setzt sich der Konsument dabei freiwillig einem Haufen Werbung aus oder gibt private Daten her. Und früher oder später wird er die Rechnung zahlen.
Digitalia ist die wöchentliche IT-Kolumne des Falter. Dieser Text wurde in Ausgabe 30/09 veröffentlicht. Foto: Flickr-User Shadowmancer78
Goldgräberstimmung unter den Hobbyprogrammierern: Als bekannt wurde, wie leicht man Software fürs iPhone entwickeln kann, haben sich viele Geeks hinter die Tastatur geklemmt und ihre eigenen Programme entworfen - von Bürotools bis zu Computerspielen. Sie träumen davon, unter den Top 10 der Bezahlsoftware zu landen und mit tausenden Downloads viel Geld zu machen. Kein Wunder: Viele iPhone-Besitzer kaufen zusätzliche Applikationen. Und in Zeitschriften wird berichtet, wie Programmierer dank Apple ordentlich Kohle scheffeln. Doch ganz so einfach ist es dann doch nicht: Denn selbst wenn die eigene Software in den Apple-Charts landet, hat man nicht zwangsläufig ausgesorgt. Das berichtet der kalifornische Entwickler Rick Strom in seinem Blog. Sein Kommunikationstool "Zen Jar" belegt Platz 34. Bei mehr als 36.000 Applikationen ein hohes Ranking. Trotzdem verdient er damit nur circa 20 Euro am Tag. Für dieses Geld könnte er auch hobbymäßig Webseiten kreieren - oder Autos waschen.
Digitalia ist die wöchentliche IT-Kolumne des Falter. Dieser Text wurde in Ausgabe 23/09 veröffentlicht.
Zum Glück gibt es das iPhone, dank dem wir am Handy bowlen oder Bier trinken können. Denn das Multimediagerät ermöglicht es einem auch, neue Software aus dem Netz zu laden. Dass diese Programme manchmal richtiger Schrott sind, wissen wir schon seit zwei Wochen. Da wurde Apple kritisiert, weil es ein Programm zur Verfügung stellte, das BabyShaker hieß. Bei der Applikation musste der User das Handy schütteln, um das Weinen eines virtuellen Babys zu stoppen. Apple entschuldigte sich im Nachhinein für den vielfachen digitalen Kindsmord. Trotzdem sind die Applikationen nach wie vor der Renner. Neu im Sortiment:Die "Krone.at"-Applikation. Sie bietet rund um die Uhr brandheiße Kronen Zeitung-Nachrichten und das Horoskop an. Da liest man so tolle Schlagzeilen wie "Nackte Tatsachen - Männerstrip gegen Arbeitslosigkeit" oder "'Substitol-Opas' - Zwei Pensionisten als Dealerbosse". Bei so viel Information könnte man fast schon auf die Printausgabe der Krone verzichten. Nur eines fehlt: die Nackte von Seite 7.
Digitalia ist die wöchentliche IT-Kolumne des Falter. Dieser Text wurde in Ausgabe 19/09 veröffentlicht. Bild: Krone.at
Laut Werbung ist das iPhone ein Gerät für jedermann, den slicken Geschäftsmann, die musikbegeisterte Hausfrau. Aber machen wir uns nichts vor: Sehr oft sind es die Nerds, die das Apfelhandy in ihrer Hosentasche spazieren führen. Wie abgedreht die Besitzer des iPhone sind, zeigt ein Blick auf YouTube. Dort gibt es Leute, die das Gerät abbusseln oder damit schlafen gehen. Das Schrägste sind aber die Ocarina-Videos. Ocarina ist ein Musikprogramm fürs iPhone. Man bläst gegen den Lautsprecher, und schon kommt ein Ton heraus. Fast wie bei einer richtigen Okarina. Eine witzige Idee. Auf YouTube hat sich schon eine richtige Anhängerschaft entwickelt. Die filmen sich beim Ocarinaspiel und stellen das Video online. Schaut doof aus, wenn man in sein iPhone bläst, hört sich aber lustig an. Die Songauswahl verrät jedenfalls, dass es sich bei den iPhone-Musikanten um totale Freaks handeln muss. Denn welches Lied haben die Ocarina-Künstler zum Beispiel erlernt? Die Star Wars-Hymne. Da schlägt das Herz eines jeden Jedi-Ritters höher.
So schaut das "Star Wars"-Video übrigens aus:
Digitalia ist die wöchentliche IT-Kolumne des Falter. Dieser Text wurde in Ausgabe 08/09 veröffentlicht. Das obige Bild stammt von der Softwarefirma Smule.
Google wird wieder gerügt. Der Suchmaschinenriese bietet neuerdings Google Latitude an. Das Onlineservice ermöglicht es, jederzeit einen Handynutzer zu orten. Eh klar, dass dieses Szenario prompt Paranoia auslöst. Wer möchte schon, dass der Partner den Seitensprung live mitverfolgen kann? Und welcher Jugendliche ist steil darauf, wenn Papa und Mama einen peilen können? Im Google-Reich werden die Vorzüge der permanenten Kontrolle betont: Könnte es nicht total lustig sein, stets den Aufenthaltsort von Freunden und Verwandten zu wissen? Da hat man auch mehr Gesprächsstoff fürs Familientreffen ("Onkel Hans, was hast du eigentlich letzten Dienstag im Rotlichtviertel gemacht?"). Zudem lasse sich die Ortung jederzeit deaktivieren, versichert Google. In Wirklichkeit ist das Ganze auch ein Hype. Zwar ist überall von Latitude zu lesen, aber auf den meisten Handymodellen funktioniert das Service noch gar nicht. Nicht einmal am iPhone. Puh, da gibt es also noch eine Verschnaufpause, bis die richtige Überwachung beginnt.
Digitalia ist die wöchentliche IT-Kolumne des Falter. Dieser Text wurde in Ausgabe 07/09 veröffentlicht.
Barack Obama ist für Journalisten so sexy wie Tokio-Hotel-Bill für Elfjährige. Egal, ob es um die Nachmittagsjause im Weißen Haus oder das Haustier des Präsidenten geht – was sich nur irgendwie obamaesk anhört, ist schon eine Schlagzeile. Das trifft auch auf das First Handy zu. Vor der Inauguration wurde berichtet, dass Obama auf seinen BlackBerry verzichten muss. Jetzt drückt der Secret Service doch ein Auge zu und lässt den Internetjunkie Mails per Handy verschicken. Das Gerücht geht um, dass Obama keinen handelsüblichen BlackBerry mehr verwendet, sondern ein Hochsicherheitsmobiltelefon. Genannt „Sectéra Edge“. Dieses Multimediagerät kann auf Knopfdruck Anrufe verschlüsseln und abhörsicher machen. Es wurde von der National Security Agency und dem Rüstungskonzern General Dynamics entwickelt, könnte aber genauso gut aus einem James-Bond-Film stammen. Kostenpunkt: 3350 Dollar. Na gut. Man muss schon sagen: Allein Obamas Handy hat mehr Sexappeal als alle acht Jahre George W. Bush zusammen.
Digitalia ist die wöchentliche IT-Kolumne des Falter. Dieser Text wurde in Ausgabe 05/09 veröffentlicht. Das obige Foto zeigt das "Sectéra Edge" im Einsatz. Credit: General Dynamics Produktseite