Bitten und Betteln nützt nichts, ein Rauchverbot gehört her!Wednesday, May 5. 2010 Fast könnte man Mitleid bekommen. Die Wirte jammern, dass sie ab 1. Juli den Nichtraucherschutz zur Gänze umsetzen und getrennte Räume für Qualmer und Nichtqualmer anlegen müssen. Doch diese teure und umständliche Lösung haben sie sich selbst eingebrockt. Jahrelang haben sie gegen ein generelles Rauchverbot gekämpft, vor einem Wirtesterben gewarnt. Erst neulich hieß es aus der Wirtschaftskammer, dass 20 Prozent der Lokale den rigiden Nichtraucherschutz nicht überleben würden.Das ist Unsinn. Die Menschen hören nicht auf, ein Schnitzel im Wirtshaus zu essen, und sie bleiben abends auch nicht zuhause, weil sie nicht mehr an der Zigarette ziehen dürfen. Das zeigt die Erfahrung anderer europäischer Länder. So weit sind wir nur in der österreichischen Debatte noch nicht. Hierzulande wird permanent vom Recht der Raucher gesprochen. Dabei will doch niemand einem anderen verbieten, dass er privat zum Glimmstengel greift. Das kann er ruhig weiterhin vor der Tür, im Gastgarten oder zuhause machen. Nur soll er dabei nicht andere zum Mitrauchen zwingen – nicht einmal das Barpersonal. Norwegen führte 2004 ein strenges Rauchverbot ein, um Angestellte zu schützen. Solange in einzelnen Clubs oder Beisln gepofelt wird, werden dort Mitarbeiter die krebserregende Luft einatmen müssen. Es ist illusorisch zu glauben, dass nur Kettenraucher hinter der Schank stehen, die sich über eine eingeteerte Lunge freuen. Deswegen wird langfristig nichts an einem generellen Rauchverbot vorbeiführen. Die Frage ist nur, ob wir bis dahin eine hirnlose Übergangslösung brauchen. Oder lieber gleich alle frei durchatmen können. Dieser Kommentar ist im Falter 14/10 erschienen Jetzt ist es bewiesen: Zigaretten sind ein TeufelswerkWednesday, December 2. 2009Diese Glosse erschien im Falter 49/09. Der obige Screenshot zeigt die Frau, kurz bevor sie im Automaten steckenblieb. Screenshot und Video: ORF.at Der Raucher-SchreckWednesday, January 14. 2009 Robert Rockenbauer hat eine Mission: Er kämpft für das generelle Rauchverbot in LokalenEs wird gepofelt, als wäre es noch 2008. Wer das Einkaufszentrum Auhof im Westen Wiens betritt, sieht gleich hinter dem Eingang die Raucher. Sie sitzen im Kaffeehaus mit den Palmen, zünden sich bei der Gelateria neben der Rolltreppe den Tschick an, blasen in der Pizzeria im ersten Stock den Rauch in die Luft. Keine Wand, kein eigenes Belüftungssystem trennt ihren Bereich vom Rest der Einkaufenden. Das ist seit 1. Jänner verboten: Öffentliche Orte wie Einkaufszentren müssen rauchfrei sein, schreibt das neue Tabakgesetz vor. Das gibt Anzeigen, sagt Robert Rockenbauer. Er ist ein großer Mann mit grauen Haaren, buschigen Augenbrauen und verbindlich-korrektem Auftreten. Unterm Arm hält er eine Mappe mit gesetzlichen Auflagen und Rauchverbotsplaketten. Fast könnte man ihn für einen Offiziellen halten, einen Beamten des Gesundheitsministeriums. Doch Rockenbauer ist privat unterwegs. Weder Polizei noch Gesundheitsministerium kontrollieren die Umsetzung des neuen Tabakgesetzes. Also geht der 58-Jährige selbst auf die Pirsch und meldet Verstöße. Rockenbauer wird dafür als "Rauchsheriff", als "Denunziant" bezeichnet. Er ist die Speerspitze im Kampf gegen die Verselchung des öffentlichen Raums. Er leitet die Schutzgemeinschaft für Nichtraucher, gibt die Nichtraucher-Zeitung heraus, ist im Fernsehen, in der Presse zu sehen. Viele würden glauben, jemand wie Rockenbauer ist schroff zu Rauchern und uneinsichtigen Wirten. So stellt man sich schließlich einen militanten Nichtraucher vor: Mit erhobenem Zeigefinger und lauter Stimme. Doch bei seinen Kontrollgängen zeigt sich der Innsbrucker freundlich und geschickt. Wenn er ein Lokal betritt, zeigt er seine Mappe, sagt "Grüß Gott" und fragt, mit wem er bezüglich Nichtraucherschutz sprechen kann. Zuallererst lobt Rockenbauer, was der Gastronom richtig macht: Dass er etwa das Pickerl am Eingang korrekt angebracht hat, der Nichtraucherbereich gut gekennzeichnet ist. Danach weist er den Wirt auf Versäumnisse hin: Die Trennwand fehle, die Aschenbecher müssten von den Tischen weg. Bei eindeutigen Verstößen kommen Anzeigen. "Ich kann nicht anders, als Sie der Behörde zu melden", sagt er dann zum Beispiel zu einem Wirt im Auhof-Center. Für Robert Rockenbauer ist das eine selbstverständliche Form der Selbstverteidigung. Er sagt gerne Sätze wie: "Passivrauchen ist eine unzumutbare Vergewaltigung mit fremdem Tabakrauch." Oder: "Gesundheitsschädigung ist nicht toleranzfähig." Für viele ist der Tiroler der Inbegriff eines militanten Nichtrauchers. Er selbst nennt sich einen "aktiven Nichtraucher". 1975 begann diese Aktivität. "Der Rauch ist immer zu mir gezogen. Wie ein Magnet, egal, wo ich gesessen bin", sagt er. Also organisierte er damals erste Nichtraucherbälle, in den 80er-Jahren saß er mit Tabaklobbyist Beppo Mauhart oder der Schauspielerin Barbara Valentin im "Club 2". Jetzt kämpft er 40 Stunden pro Woche gegen den öffentlichen Glimmstengel. Er arbeitet nur noch geringfügig als Geschäftsführer einer christlichen Buchhandlung - mit 375 Euro Monatslohn. Die österreichische Nichtraucherlobby ist kein protziger Verein, der teure Pressekonferenzen, Journalistenführungen und Infomaterialien sponsert. Die Lobby besteht aus einem einzigen Mann, der in Innsbruck in einem kleinen Büro sitzt, geringe Subventionen bekommt und mit seiner Nichtraucher-Zeitung immerhin 4000 Gleichgesinnte erreicht. Das Wort Lobby scheint hier fast übertrieben. Manchmal fühlt sich Rockenbauer müde. "Sie sind ein richtiger Sack!", ruft ihm ein Gast der 1516 Brewing Company zu, einem Pub beim Schwarzenbergplatz. Und der Eigentümer droht: "Ich werde Sie wegen Nötigung anzeigen!" Dabei hatte sich Rockenbauer nur informieren wollen, wie in dem Lokal das Tabakgesetz umgesetzt wird. Unfreundlichkeiten hört Rockenbauer öfter. Eine Frau schrieb ihm per Mail: "Vielleicht wäre es ein guter Vorschlag für Sie, sich vor jedes Auto zu werfen - bezüglich schädlicher Abgase -, dann hätten sich die Probleme beiderseits gelöst." "Ich sehe die Raucher nicht als Feinde", sagt er. Aber seine besten Freunde sind sie auch nicht: In seinem Bekanntenkreis fände sich kein einziger. Und wenn er einen netten Raucher kennenlernen würde, dürfte der bestimmt nicht neben ihm qualmen. Unglücklich sei er mit der derzeitigen Regelung. Dabei könnte sich Rockenbauer auch zurücklehnen und die Erfolge feiern. In der Bahn, in Flugzeugen, in Kinos, in Büros neben Nichtrauchern wird heute nicht mehr gequalmt. Doch Rockenbauer will weitermachen, bis er sein Ziel erreicht hat: das generelle Rauchverbot in Lokalen. "Dann kann ich mich zur Ruhe setzen." Der Großteil der Bevölkerung ist jedoch dagegen. Laut einer Umfrage des profil 2008 lehnen 58 Prozent in Österreich das Rauchverbot im Wirtshaus ab. Viele Nichtraucher lassen ihre Freunde lieber neben sich qualmen, als sie vor die Tür zu schicken. "Wir haben solange Rücksicht geübt, bis die Rücksichtslosigkeit überhandnahm", glaubt Rockenbauer. "Die Folge: Jährlich sterben in Österreich circa 1500 Menschen an den Folgen des Passivrauchens." Inhaltlich werden ihm viele Mediziner Recht geben. So spricht sich auch Gerald Maurer, Leiter der Kardiologie am Wiener AKH, für einen strengen Nichtraucherschutz aus. In Ländern mit Rauchverbot sei die Herzinfarktrate binnen einem Jahr zurückgegangen. "In Italien und Irland waren es zum Beispiel um die zehn Prozent", so der Arzt. Aber in der Debatte um das Rauchverbot geht es nicht nur um medizinische Argumente. Da geht es um Raucher, die auf ihre Freiheit pochen, und Wirte, die Umsatzeinbrüche fürchten. Weil die Regierung nirgendwo anecken will, beschloss sie eine Regelung mit etlichen Ausnahmen. "Das Gesetz ist löchrig wie ein Schweizer Käse", sagt Rockenbauer. Bei seiner Runde durch die Wiener Lokale (siehe Reportage unten) wird die Zahnlosigkeit des Gesetzes offensichtlich: In der Lugner-City rauchen viele am Gang, die Kaffeehäuser in der Innenstadt sind nach wie vor gleich verqualmt. Zumindest fast alle. Nachdem er im Pub beim Schwarzenbergplatz beschimpft worden ist, schaut Rockenbauer gleich ums Eck im Café Schwarzenberg vorbei. Dort klebt an der Tür das rote Pickerl mit durchgestrichener Zigarette. Ein reines Nichtraucherlokal. "Ich muss Ihnen wirklich gratulieren", sagt Rockenbauer und schüttelt dem erstbesten Kellner die Hand. Der schaut verdutzt. Es ist ein Kampf gegen Windmühlen, den der Tiroler Robert Rockenbauer führt. Und nun gibt es zumindest eine Windmühle weniger. ---- Wien rauchfrei Nicht nur bei McDonald's oder Starbucks herrscht Rauchverbot. Auch einige passable Lokale haben den Tschick verbannt: Zum Beispiel das Cafe der Provinz (8., Maria-Treu-G. 3) wo es nicht nach Aschenbecher, sondern nach Crepes riecht. Das Café Griensteidl (1., Michaelerpl. 2) war schon vor dem neuen Tabakgesetz ein Nichtraucherkaffeehaus, nun schließt sich das Café Schwarzenberg (1., Kärntner Ring 17) an. Im phil (6., Gumpendorfer Str. 10) kann man vieles: schmökern, Musik hören, Bier trinken - und durchatmen. Ebenfalls rauchfrei: Neu Deli (1., Wipplingerstraße 20), Kim kocht (9., Lustkandlgasse 4), Sri-Thai-Imbiss (3., Baumgasse 18). Noch mehr Nichtraucherlokale gibt's unter www.nichtraucherlokale.net und im Falter-Lokalführer "Wien, wie es isst" Dieses Portrait ist im Falter 01/09 erschienen. Foto: Corn / www.corn.at "In Wien funktioniert nichts"Wednesday, January 14. 2009Ein Aschenbecher in der Lugner-City. Darüber das Rauchverbots-Zeichen. Diesmal ist Richard Lugner nicht wegen einer neuen Affäre in den Medien, sondern wegen seines Einkaufszentrums. Dort hat er weder die Aschenbecher abmontieren lassen noch das generelle Rauchverbot durchgesetzt. In den Indoor-Schanigärten qualmen die Besucher beim Kaffee, neben Tacos liegt Tabacco. "Bis auf das Schnitzelhaus verstoßen alle Wirte hier gegen das Tabakgesetz", sagt Robert Rockenbauer von der Schutzgemeinschaft für Nichtraucher (siehe oben). Sein Resümee nach einer Tour mit dem Falter durch Wiener Lokale: "In dieser Stadt funktioniert nichts." Bislang wurden in Wien 73 Anzeigen wegen Verstoßes gegen das Tabakgesetz eingereicht. Es sind Privatpersonen wie Rockenbauer, die verqualmte Gaststätten bei der Behörde melden. Im Café Westend, im Flex, in Irish Pubs wie dem Flanagans: Vielerorts verweisen die Lokalbetreiber auf eine Übergangsregelung. Viele bleiben Rauchergaststätten. So wie das Szenelokal Aromat. "Im Moment habe ich das Raucherpickerl angeklebt", sagt Besitzer Oliver Schöninkle. Er will später eine Testphase für Nichtraucher einführen, um die Reaktionen zu testen. Vielen geht es nicht ums Prinzip, sondern um den Umsatz. Tom Eller, Chef im Club Flex, sieht die Raucher bereits woanders an Zigaretten ziehen: "Es wäre schon ein Konkurrenznachteil, wenn im Wuk oder in der Arena weiterhin geraucht werden darf und im Flex nicht." Also wartet man auch am Donaukanal ab. Wer in seinem Lokal die Aschenbecher wegräumt, kann nämlich Kunden verlieren. Das zeigt das Beispiel von Wein & Co. Von Jänner bis Ende September 2008 waren sämtliche Bars der Weinhandelskette Nichtraucherbetriebe - der Umsatz ging um 15 Prozent zurück. "Wir hätten zehn Leute entlassen müssen oder das Rauchverbot aufheben", sagt Firmengründer Heinz Kammerer. "Ich bin für das Rauchverbot", sagt er, "aber nicht als Einziger." Bei Wein & Co wird nun wieder geraucht. Rauchen ganz verbieten die wenigsten Wiener Betriebe. Das Ringstraßen-Café Schwarzenberg ist so eine Ausnahme. Seit Anfang des Jahres wird hier nicht mehr zur Melange gepofelt. "Wir werden sicher Raucher verlieren, aber wir werden auch andere Kunden dazugewinnen", meint Geschäftsführer Alfred Altenburger. Rauch in den Lokalen - nicht alle sehen darin ein Problem. "82 Prozent unserer Angestellten sind Raucher", sagt Walter Piller, Obmann der Sparte Gastronomie der Wiener Wirtschaftskammer. "Es kann ein jeder seinen Arbeitsplatz wechseln, es muss keiner in der Gastronomie arbeiten." Für Piller wäre ein generelles Rauchverbot die schlechteste Lösung: "In Irland sperren im Schnitt pro Tag 17 Lokale zu." Das Wirtshaussterben ist eine weitere Furcht der Unternehmer. Ob es tatsächlich eintreten würde, ist umstritten. In Irland klagten die Gastronomen tatsächlich zuerst über Einnahmenverluste von bis zu 25 Prozent, dann stabilisierte sich der Umsatz. In Norwegen ist die Zahl der Lokalinsolvenzen nach Einführung des Rauchverbots zurückgegangen. In Deutschland hingegen gab es einen signifikanten Umsatzrückgang. Rauchen oder Nichtrauchen? Langsam wird das zur Glaubensfrage. Das neue Tabakgesetz heize die Debatte an, meint Wein & Co-Mann Kammerer: "Es bringt die Leute gegeneinander auf. Sie begreifen sich jetzt als Raucher oder Nichtraucher, und es gibt auch schon jene Blockwarte, die herumlaufen und Anzeigen machen." Während noch über die Schäden von Passivrauchen, die wirtschaftlichen Auswirkungen gestritten wird, sind sich viele Wirte in einem Punkt einig: Bald kommt das Rauchverbot sowieso, bald bringt die EU eine Richtlinie, die Nichtraucher am Arbeitsplatz, auch hinter der Bar, schützt. Die einen sehen das und resignieren. Die anderen hoffen, dass ihnen der teure Umbau erspart wird. Ob die EU-Richtlinie aber tatsächlich so bald kommt, ist äußerst unsicher. Derweil gibt es zumindest noch den Kaffee mit Zigarette und den angsterfüllten Blick nach Brüssel. Dieser Text ist im Falter 01/09 erschienen.
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