Danke, diese Information hatte ich nicht gebraucht!Sunday, June 6. 2010Revolutionen anzetteln, Demos kundtun, wichtige Nachrichten verbreiten: All das kann man mit Twitter tun. Und dann kann man auch noch live aus dem Kino berichten. Das tat zumindest Woman-Chefredakteurin Euke Frank bei der „Sex and the City 2“-Premiere. Sie saß quasi als embedded journalist im Saal und berichtete, was auf der Leinwand geschah. „Die Mädels sind runzeliger – aber sehr chic!“, so die erste Meldung. Kurz darauf erfuhr die Online-Community von den Beziehungsproblemen der Hauptcharaktere. Bei Mr. Big und Carrie kriselte es und Frau Frank zwitscherte live mit: „Shit: Carrie hat fremdgeküsst! Das verzeihen wir ihr nie.“ Bis zum Abspann ist freilich alles wieder gut. „Cool! Mr. Big schenkt Carrie einen Ring statt sauer zu sein“, schrieb die Woman-Chefredakteurin. Das Gute an Twitter ist übrigens, dass man solchen Schwachsinn nicht lesen muss. Ich lese die Nachrichten von Frau Frank vorerst nicht mehr. Eines habe ich aber von ihr gelernt: Keine zehn Pferde bringen mich in diese Vorstellung. Digitalia ist die wöchentliche IT-Kolumne des Falter. Diese Kolumne wurde in Ausgabe 22/10 veröffentlicht Quält die Besserwisser!Tuesday, May 18. 2010![]() Klugscheißer sind ätzend. Wenige Wesenszüge sind dermaßen unsympathisch wie permanentes Besserwissen. Leider finden sich solche Ungustln auch im Netz. Auf Twitter gibt es Menschen, die permanent nach Fehlern anderer suchen. Einer davon nennt sich Der_Oberlehrer. Er sendet wildfremden Usern Nachrichten wie: „Ich möchte Dich auf einen Fehler aufmerksam machen. Du hast ‚Terasse‘ geschrieben. Es muss aber ‚Terrasse‘ heißen.“ Natürlich ärgern sich viele über den selbsternannten Sprachpolizisten. Andererseits ist der Oberlehrer auch eine tragische Figur. „ELIMINIERE ALLE RECHTSCHREIBFEHLER“ nennt er seine Mission. Eine Sisyphusaufgabe. Gegen die sprachlichen Unreinheiten auf Twitter anzukämpfen ist in etwa so, als würde man jede Spammail einzeln beantworten wollen. Die User schludern ihre Kurznachrichten ins Web, vielen ist die Rechtschreibung völlig schnurz. Wer dem Oberlehrer eins auswischen will, soll einfach weiterhin viele Fehla machn. Terasse, Terase, Teerasse! Digitalia ist die wöchentliche IT-Kolumne des Falter. Diese Kolumne wurde in Ausgabe 18/10 veröffentlicht. Screenshot: twitter.com/der_oberlehrer Who the fuck is Justin Bieber?Monday, May 17. 2010![]() Das Internet versorgt uns mit Unmengen an Information. Auch solcher, die wir gar nicht brauchen. Dank Twitter weiß ich nun, wer Justin Bieber ist: der neue Teenie-Star aus Kanada. Er ist erst 16 Jahre alt, schaut aus wie zwölf und singt sich mit seinem Kaugummi-Schmusepop in die Herzen aller kleinen Mädchen. Mir wäre der Bieber total egal, würde er nicht ständig auf Twitter auftauchen. Jeden verdammten Tag ist er ein Trending Topic auf der Onlineplattform, zehntausende Fans tratschen dort über ihn, jede Minute treffen hunderte Meldungen ein. Der junge Sänger twittert auch selbst: Vormittags berichtet er aus der Schule. Nachmittags bedankt er sich für Platz eins in den US-Charts. Früher war das besser. Da waren Stars noch unnahbare Menschen, die man höchstens einmal beim Konzert sah. Dann kamen die Paparazzi und danach Twitter, jetzt landet jeder Furz in der Öffentlichkeit. Ich finde das nicht so sexy – außer es geht um meine Lieblingsbands. Über die lese ich auch jedes Detail im Netz. Kreisch! Digitalia ist die wöchentliche IT-Kolumne des Falter. Diese Kolumne wurde in Ausgabe 16/10 veröffentlicht. Foto: Screenshot von twitter.com/JUSTINBIEBER Ein guter Tag beginnt mit der besseren E-MailThursday, March 25. 2010 Ich dachte schon, ich wäre total gestört. Aber anscheinend bin ich nicht die einzige Person, die noch vor dem Aufstehen E-Mails checkt. Laut einer britischen Studie liest jeder vierte junge Mann gleich nach dem Aufwachen seine digitale Post am Handy. 18 Prozent liegen noch im Bett, während sie Social Networks wie Facebook oder Twitter aufrufen. Vielleicht wird die Menschheit deswegen aussterben: weil wir unter der Decke nur mehr unsere Gadgets begrapschen. Nichtsdestotrotz mag ich das frühmorgendliche Knöpferldrücken. Es lässt mich munter werden. Radiosendungen überfordern mein noch benebeltes Hirn. Den Snooze-Button auf meinem Wecker drücke ich alle fünf Minuten und stehe trotzdem nicht auf. Das ist die pure Folter. E-Mails hingegen helfen mir am Morgen. Wenn ich sie schlaftrunken lese, werde ich schnell in die Realität zurückgeholt und erinnere mich, dass ein neuer Tag mit Terminen und sozialen Verpflichtungen wartet. Klingt trist, ist aber besser als Verschlafen.Digitalia ist die wöchentliche IT-Kolumne des Falter. Diese Kolumne wurde in Ausgabe 09/10 veröffentlicht. Sue Holzer hat auch diese Studie im Netz gefunden: Almost Half Of You Are Checking Facebook As Soon As You Wake Up Wie Google und iPhone die Welt veränderten - ein RückblickSunday, January 10. 2010
Anfang 2000 befand sich Apple auf dem absteigenden Ast, der Duden kannte das Verb „googeln“ noch nicht, und unsere Urlaubsfotos ließen wir auf Film entwickeln. Das alles ist Geschichte. Die Nullerjahre waren ein technologischer und gesellschaftlicher Wendepunkt
![]() - Hier klicken zum Vergrößern Als wir unser Leben ins Internet auslagerten Das Web war Anfang des Jahrtausends ein unentdecktes Land. Zugegeben, man konnte dort durch die Gegend surfen, Infos sammeln oder mit Fremden chatten. Aber genauso gut konnte man den Computer ausgeschaltet lassen, eine Zeitung aufschlagen oder mit der Nachbarin sprechen. Das Internet war ein schickes Spielzeug, eine Zukunftshoffnung. Unverzichtbar war es noch nicht. Dann aber wandelten wir immer größere Teile unseres Lebens in Nullen und Einsen, in digitalen Code, um: Die Lieblings-CD in MP3s, die Urlaubsfotos in JPGs, unser Privatleben in Facebook-Nachrichten. Diese Entwicklung hatte lange vor der Jahrtausendwende begonnen, nun aber trieb sie ein Heer an Internetusern im Eiltempo voran. Gemeinsam bauten sie das Web 2.0, plötzlich wurde es online richtig interessant. Das ist längst nicht die einzige Erkenntnis aus den letzten zehn Jahren. Das Web feuert Revolutionen an. In den USA startet Barack Obama 2007 seinen Onlinewahlkampf, im Iran organisiert sich die Protestbewegung 2009 über Twitter. Zum Ende des Jahrzehnts zeigt sich immer deutlicher, dass das Web neue Arten der Mobilisierung ermöglicht. Eigentum wird zum Kampfbegriff. Zur Jahrtausendwende leitet Napster den Untergang der Musikindustrie ein. Napster ist mittlerweile tot, geblieben ist aber der Glaubensstreit des Copy-and-Paste-Zeitalters: Funktioniert das herkömmliche Urheberrecht noch? Dass dies viele Menschen verneinen, zeigt die Gründung der Piratenpartei. Die schwedischen Piraten sitzen mittlerweile sogar im Europaparlament. Menschen als mobile Sklaven. USB-Stick, Laptop, iPhone. Unsere Geräte wurden kleiner, cleverer und mobiler. Die Flexibilität führt aber auch zu permanenter Ablenkung und dem Drang, stets erreichbar zu sein. Gute Ideen sind nicht genug. Es ist kein Zufall, dass YouTube erst 2005 startete. Ein Videoportal kann erst dann florieren, wenn genügend Menschen schnelles Internet haben. Das war 2000 nicht der Fall. Die Nullerjahre waren nicht nur eine Dekade der neuen Ideen, sondern auch der neuen Technik. Wir verbrachten einen guten Teil der Zeit damit, Kabel zu verlegen, größere Festplatten zu kaufen oder Handymasten zu errichten. Erst dann ließen sich viele clevere Einfälle umsetzen. Über das Geld denken wir später nach. 2008 nahm Google fast 22 Milliarden Dollar ein, doch mit Youtube hat es noch keinen Cent verdient. Facebook jubelte im September, weil es erstmals kein Minus machte. Viele Webdienste, Musikservices oder Nachrichtenseiten sind bisher Geldverbrennungsanlagen statt Cashcows. Diese Frage wird uns ins nächste Jahrzehnt begleiten: Wie wandelt man den regen Zulauf in Geld um? Dieser Artikel und die obige Grafik wurden im Falter 52/09 veröffentlicht. Die Bildrechte liegen bei den jeweiligen Produktherstellern
Posted by Ingrid Brodnig
at
17:20
| Comments (2)
| Trackbacks (0)
Defined tags for this entry: apple, facebook, google, iphone, neue medien, nullerjahre, rückblick, twitter
Weihnachtswahnsinn auf TwitterSunday, January 10. 2010 Warum ich Twitter mag: Die Seite gibt Einblicke ins Leben, die man sonst nicht bekäme. Am Sonntag lese ich bei User Luca Hammer, dass er seit Stunden am Westbahnhof auf den Zug wartet. Es ist das Wochenende vor Weihnachten, und die ÖBB hat anscheinend nicht mit Schneefall und vielen Passagieren gerechnet. Der Student findet keinen Zug nach Tirol. Um 10.31 Uhr schreibt Luca: „Fuck. Ich vergaß, es ist Winter. Züge haben zwischen 100 und 200 Minuten Verspätung.“ 11.56 Uhr: „Oh, Zug verspätet sich weitere 50 Minuten.“ 12.14 Uhr: „Überlege, ein Auto zu stehlen und damit nach Tirol zu fahren.“ 13 Uhr: „Habe nun irgendeinen Zug nach Salzburg genommen. Keine Nerven mehr.“ 13.20 Uhr: „Wir bleiben mitten in der Pampa stehen. Betriebshalt. Weichen föhnen?“ 13.29 Uhr: „Wir bleiben wieder stehen.“ So geht das weiter bis um 19.47 Uhr: „Zehn Stunden von Haustür bis Haustür. Jetzt bin ich zuhause.“ Gratuliere, Luca! Und danke an ÖBB und Twitter. Diesen Wahnsinn könnte man nicht einmal erfinden.Digitalia ist die wöchentliche IT-Kolumne des Falter. Dieser Text wurde in Ausgabe 52/09 veröffentlicht. Screenshot: Twitter.com Hilfe, mir fehlt das Hintergrundrauschen!Wednesday, August 19. 2009Digitalia ist die wöchentliche IT-Kolumne des Falter. Dieser Text wurde in Ausgabe 33/09 veröffentlicht. Das Bild zeigt ein T-Shirt mit dem Fale Whale. Der Wal signalisiert, dass Twitter wieder einmal überlastet ist Überraschung! Die Kids finden Touchscreens coolTuesday, August 4. 2009Digitalia ist die wöchentliche IT-Kolumne des Falter. Dieser Text wurde in Ausgabe 30/09 veröffentlicht. Foto: Flickr-User Shadowmancer78 Wir haben alle einen Vogel!Tuesday, June 30. 2009 Ein Aufstand im Iran, ein Moonwalk am Karlsplatz oder ein beiläufiger Gedanke der Nachbarin: Twitter.com macht süchtig und verändert die Gesellschaft.Die deutsche Userin „wortkomplex“ ist neidig: „Nachbarskinder haben ein Planschbecken. Ich nur Kaffee.“ Ihre amerikanische Twitter-Kollegin „worksplay“ zitiert ein Michael-Jackson-Lied: „Heal the world, make it a better place, for you and for me and the entire human race.“ Und im Iran schreibt „oxfordgirl“: „Reasons to remove regime: 160 children under age of 16 on death row.“ Von Alltagsbeobachtungen bis zu politischen Forderungen. All das trudelt zur selben Zeit auf Twitter.com ein. Twitter ist wie eine Droge. Es macht süchtig, und man versteht den Reiz erst, wenn man es selbst ausprobiert hat. Auf den ersten Blick wirkt die Idee ziemlich banal: Menschen melden sich online an, um Kurznachrichten mit maximal 140 Zeichen zu verfassen. „Was machst du gerade?“, fragt das Eingabefeld. Mancher Benutzer antwortet treuherzig, dass er momentan am Bahnhof sitzt, ein Wurstsemmerl isst oder zum Donauinselfest fährt. Andere nutzen das Service, um interessante Zeitungsartikel oder Webseiten zu empfehlen. „Microblogging“ nennen sich diese Aktivitäten. Ob die Menschheit solche Infohäppchen tatsächlich braucht? Bis vor kurzem gab es daran große Zweifel. Dann fanden die Wahlen im Iran statt. Plötzlich ließ sich nicht mehr leugnen, dass sich Twitter für politische Mobilisierung und Berichterstattung aus dem Untergrund eignet. In Teheran tauscht sich die Protestbewegung über Onlinedienste wie diesen aus. Die sogenannten Tweets mit bis zu 140 Zeichen sind lang genug für das Wesentliche. „Bestätigt: heute, fünf Uhr nachmittags, Vali-Asr-Platz. Unterstützer der Freiheit trägt Schwarz, um den Gefallenen Tribut zu zollen“, schreibt der eine. Und ein anderer sagt: „Razzia gegen Journalisten: Berichten zufolge wurden Journalisten in Boushehr, Mashad und Rasht verhaftet.“ Warum eignet sich Twitter so gut zum Mobilisieren? Was gefällt den Usern daran? Ist diese Kommunikation wirklich so revolutionär? Schuld an dem ganzen Gezwitscher (das bedeutet Twitter im Englischen) sind der Programmierer Jack Dorsey, der Grafiker Biz Stone und Evan Williams, der kaufmännische Kopf. Die drei gründeten Twitter 2006 – aus einer Notlage heraus. Ihr damaliges Start-up-Unternehmen Odeo lief nicht gut. Man brainstormte über neue Geschäftsideen. Und da kam Dorsey mit dem entscheidenden Vorschlag auf: Wie wäre ein Onlineservice, bei dem man anderen mitteilt, was man gerade macht? So könnte man zum Beispiel dem Freundeskreis sagen, wo gerade eine heiße Party steigt. Von ihrem internettauglichem Handy oder dem Computer am Arbeitsplatz loggen sich auch österreichische Mitglieder ein. Viele stammen aus der Onlinecommunity, sind Studenten oder haben Jobs, bei denen sie am PC sitzen. Jetzt können sie jede Wartezeit auch noch mit Mininachrichten überbrücken. 37 Millionen Menschen riefen weltweit im Mai 2009 Twitter.com auf, sagt Marktforscher ComScore. In den USA ist das Portal nun die drittgrößte Social-Networking-Plattform nach den Freundschaftsportalen Facebook und MySpace. Schauspieler Ashton Kutcher hat mehr als 2,5 Millionen „Follower“ – das sind Twitter-User, die seine Beiträge abonnieren. Und auch Startalkerin Oprah Winfrey stieg im Frühjahr ein. Ihre erste Nachricht an die Community: „FEELING REALLY 21st CENTURY.“ Ob solche Promis wirklich selbst hinter der Tastatur sitzen und ob man dadurch Oprah tatsächlich näher kommt, ist eine andere Frage. Die User schätzen an der Seite, „dass man bei Fragen fast immer Antworten bekommt. Und zwar gute Antworten!!“, schreibt Mitglied „SonjaSchiff“. „Ich mag die knackigen Infohappen. Bei Interesse klick ich einfach auf den dazugehörigen Link, um mich näher zu informieren“, sagt „afredd“. „Twittern ist wie im Kaffeehaus sitzen und mit Freunden und Kollegen über Interessantes und Belangloses reden“, meint „cschlemmer“. Und das sind nur ein paar der Antworten, die man erhält, wenn man mitzwitschert. Das Potenzial als Mobilisierungstool endet nicht mit dem amerikanischen Präsidentschaftswahlkampf oder den Demos in Teheran. Vergangene Woche sammelten sich plötzlich einige dutzend Wiener am Karlsplatz. Es war keine politische Protestaktion, sondern ein spontaner Aufmarsch von Michael-Jackson-Fans. Auf Twitter.com kam die Idee eines Massen-Moonwalks auf, sie wurde schnell zirkuliert. „Heute 18/19h Karlsplatz. Kriegen wir den Massmoonwalk hin?“, schrieb zum Beispiel Mitinitiator und Gap-Herausgeber Niko Alm. Waren dann 100 oder sogar 200 Menschen am Karlsplatz? Das ist nicht wichtig. Viel entscheidender ist, dass plötzlich so ein schräges, spontanes Event stattfindet: Die Menge baute ein Soundsystem auf, tanzte zu Michael-Jackson-Platten, und ein paar Verrückte stiegen bekleidet in den Teich. Die Proteste in Teheran und der Spaß-Flashmob in Wien nutzen dieselbe Infrastruktur. Twitter kann man sich wie einen riesigen, rauschenden Informationsfluss vorstellen. Egal, ob in New York ein Flugzeug im Hudson River landet oder in China ein Sack Reis umfällt, hier ist es nachzulesen. Und weil die Benutzer Twitter nach Stichworten durchsuchen können und spannende Texte besonders schnell an andere User weitergeleitet werden, ist Twitter oft schneller als CNN oder Onlinezeitungen. Manchmal sind die Tweets auch falsch. Absurd zu glauben, es wäre anders. „Die Stärke von Twitter, dass so viel Information über den Kanal geht, ist gleichzeitig auch die Schattenseite“, sagt Wolfgang Reinhardt, Informatiker an der Uni Paderborn. Wer nicht im Rauschen untergehen will, muss lernen, aus der Flut an Informationen richtig zu selektieren: Will man eine Scheinnähe zu Promis aufbauen, dann empfiehlt sich ein Blick auf den Account von Demi Moore. Möchte man über Neuigkeiten im Web informiert sein? Da kann man beim New York Times-Technikkolumnisten David Pogue mitlesen. Und wen beides langweilt, der kann so schrille Kunstfiguren wie den Taubenvergrämer verfolgen. ![]() Diese Geschichte ist im Falter 27/09 erschienen. Illustrationen: Jochen Schievink Twitter wächst rasant. In Österreich besuchten im Mai 2008 gerade einmal 1000 Menschen die Webseite. Ein Jahr später waren es laut ComScore 94.000. Es ist ein typisches Web-2.0-Schicksal, dass die Seite noch keinen einzigen Cent eingenommen hat. Erst im Februar trieb Twitter weitere 35 Millionen Dollar von Investoren auf – insgesamt stecken in der Firma 55 Millionen Dollar. Das ist Risikokapital von Unternehmen wie Benchmark Capital und Institutional Venture Partners. Sie streben riesige Gewinne an. Zum Vergleich: Das Videoportal YouTube wurde für 1,65 Milliarden Euro an Google verkauft. Mittlerweile ist man in der Branche vorsichtiger geworden. Denn der Ansturm der User lässt sich nicht so leicht in Bares verwandeln. Heuer möchte Twitter erstmals mit dem Geldverdienen beginnen. Dann könnten Firmen wie der Computerhersteller Dell oder die Coffeeshop-Kette Starbucks für ihre Mitgliedschaft zahlen. Kein Wunder: Dell hat erst kürzlich bekanntgegeben, dass es mittels Marketingmaßnahmen auf Twitter drei Millionen Dollar umgesetzt hat. Selbst für den Fall, dass Twitter insolvent wird, geht es nicht so sehr darum, welcher Anbieter sich durchsetzt. Sondern darum, dass Menschen einen neuen Kommunikationsdrang entdeckt haben, von dem sie bis vor kurzem nichts wussten. Das zeigte auch der vergangene Donnerstag. Da brach Twitter zwischenzeitlich unter dem Ansturm an Usern zusammen. Wieder einmal erschien der „Fail Whale“ – dieses Logo symbolisiert, dass Twitter gerade überlastet ist. Zu viele Menschen wollten gleichzeitig über den Tod des „King of Pop“ nachlesen oder Abschied nehmen. Binnen einer Stunde trafen mehr als hunderttausend Kurzkommentare auf der Online-Plattform ein. Als John F. Kennedy 1963 erschossen wurde, standen viele Menschen fassungslos vor den Fernsehapparaten. Als Lady Diana 1997 bei einem Autounfall ums Leben kam, lief CNN, und man rief sich gegenseitig am Handy an. Von Michael Jacksons Tod erfuhren viele im Netz. Oder sie strömten dann nachträglich ins Web. Egal, ob die Firma Twitter heißt oder nicht. Dieses neue Informations- und Mitteilungsbedürfnis ist nicht mehr wegzubekommen. Weiterführende Links: - Diese Twitter-Autoren sollte man zu Recht online verfolgen - Wie mache ich da mit? Eine kurze Einstiegshilfe für Twitter
Posted by Ingrid Brodnig
at
16:25
| Comments (2)
| Trackbacks (0)
Defined tags for this entry: neue medien, twitter
Gezwitscher statt Literatur: der Twitter-RomanSunday, May 24. 2009Digitalia ist die wöchentliche IT-Kolumne des Falter. Dieser Text wurde in Ausgabe 20/09 veröffentlicht. Wer braucht eine richtige Zeitung, wenn es Twitter gibt?Wednesday, April 22. 2009
April, April! Zum Monatsanfang ließ sich der Guardian einen Schmäh einfallen. Die britische Zeitung berichtete, dass sie nur noch im Internet auf Twitter erscheinen würde. Der Webdienst erlaubt es seinen Benutzern, Botschaften in der Länge von 140 Zeichen zu verfassen. 140 Zeichen würden aber ausreichen, um jede Geschichte zu erzählen, meinte der Guardian und brachte ein historisches Beispiel. Als NS-Truppen in Polen einfielen, hätte auch die Meldung genügt: "OMG Hitler invades Poland, allies declare war see tinyurl.com/b5x6e for more." Zu Deutsch: "Oh mein Gott! Hitler marschiert in Polen ein, Alliierte erklären Krieg. Mehr unter tinyurl.com/b5x6e." Der angegebene Link führt zu Wikipedia. Es ist schon beeindruckend, wie sich jede Meldung auf 140 Zeichen reduzieren lässt. Etwa: "Julius Meinl wieder auf freiem Fuß, hat 100 Millionen Euro Kaution bezahlt. FPÖ kritisiert Freilassung." Man stelle sich eine Zeitung mit lauter Twitter-Meldungen vor. Aber hoppla, die gibt es ja schon. Sie heißt Heute und liegt in der U-Bahn.
Digitalia ist die wöchentliche IT-Kolumne des Falter. Dieser Text wurde in Ausgabe 15/09 veröffentlicht. Die Logos stammen von Twitter und Heute. Banalitäten und Egomarketing - der Twitter-SchwachsinnFriday, March 20. 2009![]() Eine Zwitschermeldung von ZiB-Moderator Armin Wolf Digitalia ist die wöchentliche IT-Kolumne des Falter. Dieser Text wurde in Ausgabe 12/09 veröffentlicht. Das Bild stammt von Armin Wolfs Twitter-Account.
(Page 1 of 1, totaling 12 entries)
Competition entry by David Cummins powered by Serendipity v1.0 |
TagsQuicksearchGezwitscher
Blog abonnierenAboutIngrid Brodnig ist Redakteurin bei der Wiener Stadtzeitung Falter und berichtet über Politik und Medien. ![]() ArchivesBlogrollCreative Commons |
