Wednesday, August 11. 2010
In meiner Kindheit war die Welt noch einfach. Da bestand eine Barbie-Puppe aus Busen, Beinen und blonden Haaren. Heute reicht das nicht mehr. Jetzt wird die Barbie sogar zum Cyborg, der seine Umgebung ausspioniert. Im neuen Modell „Barbie Video Girl“ ist eine Videokamera eingebaut. In der Halskette der Puppe versteckt sich eine Linse, in ihrem Inneren ein Datenspeicher und viel Elektronik. So kann die Barbie 27 Minuten lang Videos aufzeichnen. Hersteller Mattel wirbt damit, dass sich „die Hochzeit mit Ken, die Cabriofahrt an den Strand oder der Ausritt mit Pferd Tawny für die Ewigkeit“ festhalten ließe. Die Idee ist, dass die Kinder die Welt aus den Augen ihrer Barbie sehen. Freilich gibt es für das Spielzeug noch ganz andere Einsatzmöglichkeiten: Damit können Eltern ihre Kinder ausspionieren. Oder man könnte die Barbie an alle möglichen Orte schmuggeln. Eine perfekte Taille und ein perfektes Überwachungsinstrument! Wow, ich glaube, diese Barbie will ich zu Weihnachten auch.
Digitalia ist die wöchentliche IT-Kolumne des Falter. Diese Kolumne wurde in Ausgabe 31/10 veröffentlicht. Bild: Mattel
Thursday, October 8. 2009
Das Internet macht uns asozial? Falsch. Das Web bringt uns näher zusammen. Zumindest gilt das für meine Freundin Berta, die neulich von der allabendlichen Aktivität mit ihrem Freund erzählte (keine Angst, jugendfrei). Jeden Tag schaut sie mit ihm „Anna und die Liebe“ an, eine Telenovela auf Sat1. Gemeinsam leiden die beiden, wenn wieder eine Intrige passiert, und lachen, wenn das Gute letztlich siegt. Was das mit dem Web zu tun hat? Ganz einfach: Sie sehen die Seifenoper nicht im Fernsehen, sondern als Onlinevideo auf der Senderwebseite an. Das ist praktischer. Sie können sich ausmachen, wann sie zuhause sind. Und wenn die beiden gerade an unterschiedlichen Orten verweilen, teilen sie trotzdem diesen Moment. Sie fahren dann jeweils ihren PC hoch, starten den Browser und drücken gleichzeitig auf Play. Die Sendung läuft, sie schauen zu und chatten über Skype. Mag sein, dass das doof klingt. Zwei Verliebte, die jeden Abend in den Computer glotzen und bei einer peinlichen TV-Sendung mitfiebern. Ich finde es aber total romantisch.
Digitalia ist die wöchentliche IT-Kolumne des Falter. Dieser Text wurde in Ausgabe 41/09 veröffentlicht. Bild: Anna und die Liebe / Sat1
Sunday, March 1. 2009

Eines muss echt gesagt werden: Liebe Politiker, bitte haltet keine Ansprachen über Facebook. Nein, wirklich nicht! Die grüne Europawahlkandidatin Ulrike Lunacek richtete sich unlängst mit einem Video an die Facebook-Community. Dazu muss man wissen: Der parteiinterne Streit rund um Johannes Voggenhuber weitete sich auch auf der Onlineplattform aus. Dort diskutierten User, ob La Luna oder Vogge der bessere EU-Kandidat sei. Nun bedankt sich Lunacek bei ihren Unterstützern. Ihr Video ist ziemlich dilettantisch: Die Kandidatin blickt in die Kamera und lässt Wahlslogans raus. Man versteht sie dabei schlecht, sie sitzt in einem lauten Kaffeehaus. Wäre das Video noch etwas stümperhafter, es wäre schon wieder lustig. So ist es aber nur ein Beweis dafür, wie ungeschickt Politiker durchs Web stolpern. Barack Obama hat vorgemacht, wie man im Netz Wähler fängt. Heimische Politiker träumen auch davon. Also bombardieren sie uns mit Blogs und Videos. Und die sind ungefähr so sexy wie die Neujahrsrede des Bundespräsidenten.
Digitalia ist die wöchentliche IT-Kolumne des Falter. Dieser Text wurde in Ausgabe 09/09 veröffentlicht. Übrigens hat auch schon Helge Fahrnberger über das Video gebloggt.
Tuesday, November 4. 2008
|