Apr 192013
 

steira-memesEndlich! Österreicher erobern das Netz. Soll heißen: Es gibt immer mehr Seiten mit echt österreichischem Schmäh. Schon länger erfreut sich die Facebook-Page “Steira Memes san very good“ großer Beliebtheit, schon 89.000 User klickten auf “Gefällt mir“ und bekommen lustige Bilder serviert, die mit steirischem Dialekt unterlegt sind. Zum Beispiel sieht man ein verrückt dreinblickendes Mädchen und dazu den Satz: “Hob gestan wos Intressants glesn – dein gonzn Posteingong.“

Aber nicht nur Steirer, auch Wiener geben online Gas. Ein großartiges neues Blog heißt “When You Really Live in Wien“ und zeigt die Absurditäten des Lebens in der Wiener Hauptstadt. Da ist zu sehen, wie die Leute auszucken, wenn man das Wort “Tüte“ statt “Sackerl“ verwendet; oder wie herrlich es ist, wenn man wochentags die letzte U-Bahn erwischt. Nachzuschauen auf whenyoureallyliveinwien.tumblr.com. Helmut Qualtinger würde dazu sagen: I like!

 

Digitalia ist die wöchentliche IT-Kolumne des Falter. Dieser Text erschien in Ausgabe 15/13

Mar 072013
 

toter-baumEine Formulierung zipft mich so richtig an. Oft wird der Printjournalismus als rückständig und altmodisch verunglimpft, indem es heißt, man schreibe ja nur auf toten Bäumen. Das klingt so, als hätten wir Journalisten generell gar nix zu sagen und für unsere Gedankensauce müssen dann auch noch irgendwelche armen Pflanzen ihr Leben lassen. Was für ein blödes Argument ist das denn?

Auch Webserver werden nicht mit Feenstaub betrieben

Erstens regt sich auch keiner auf, dass für sein Klopapier ein Baum sterben musste. Zweitens werden da unterschiedliche Dinge miteinander vermischt. Auch ich glaube, dass die Zukunft des Journalismus digital ist. Aber das hat nix mit Öko-Bewusstsein zu tun. Schließlich werden die Webserver der Onlinezeitungen auch nicht mit Feenstaub betrieben, sondern mit Strom. Und die iPads setzen keine gut bezahlten Arbeitskräfte in Europa, sondern arme Fabriksarbeiter in Asien zusammen. Also, liebe Baumfreunde, verschont mich mit eurer Scheinheiligkeit! Continue reading »

Oct 292012
 

Was für ein Unsinn: Es heißt immer, Frauen interessieren sich nicht für technisches Zeug. Mag schon sein, dass Frauen bei den Astrophysikern, Hardcore-Videospielern oder Science-Fiction-Fans in der Unterzahl sind. Nur jene Frauen, die es dort gibt, werden ausgeblendet.

Ein Beispiel: In der MTV-Sendung “Game one“ hocken vier männliche Nerds auf dem Sofa und testen Videospiele. Vier Typen und keine einzige Frau. Warum? Gibt es wirklich keine Gamerinnen? Will sich keine filmen lassen? Oder werden die nicht gefragt? Mein Eindruck: Gerade männliche Geeks sind total unsensibel und ignorieren das andere Geschlecht oder stellen es in eine kuschelige, rosafarbene Ecke. Darf eine Frau Videospiele testen, dann meist nur “Casual Games“, also liebe und unkomplizierte Spiele. Das ist schlimmster Machismus. So nicht, meine Herren! Notfalls setz ich mich selbst aufs Sofa und zock mit, damit ihr mal erlebt, wie euch eine Frau im Videospiel abknallt.

 

Digitalia ist die wöchentliche IT-Kolumne des Falter. Dieser Text ist in Ausgabe 41/12 erschienen. Screenshot: Gameone.de

Jul 192012
 

Ich bin ja eher gutgläubig und gehe meist davon aus, dass neue Technik dem Wohle der Menschheit dient; also Hunger, Armut, Krankheit und so weiter bekämpft. Doch in der Praxis kommen neue Erfindungen oft für das Gegenteil – etwa für Krieg – oder für totale Nebensächlichkeiten zum Einsatz. Das beste Beispiel ist ein Gerät namens Necomimi. Es handelt sich um plüschige Katzenohren, die man auf dem Kopf trägt und die wackeln. Das Besondere daran: Die Ohren bewegen sich je nach Gefühlsregung. Necomimi hat Sensoren eingebaut, kann Gehirnwellen messen und reagiert auf die Stimmung seines Trägers.

Ist man entspannt, hängen die Plüschohren herab. Schenkt man jemandem seine Aufmerksamkeit, stellen sie sich auf. Und bei besonders großem Interesse fangen die Ohren zu wackeln an. Es ist so ziemlich das unnötigste technische Gerät, das mir seit langem untergekommen ist. Aber ich muss gestehen: Ich stelle mir das sehr lustig vor.

 

Promo-Video:

 

Digitalia ist die wöchentliche IT-Kolumne des Falter. Dieser Text erschien in Ausgabe 29/12. Bild: Neurowear

Jul 192012
 

Das kennt jeder: Man muss dringend arbeiten und möchte nur kurz Pause machen. Also schaut man schnell ein Youtube-Video an. Plötzlich ist es 45 Minuten später, und irgendwie ist man auf einer Seite für luxuriöse Hundeaccessoires gelandet. Was mache ich hier? Warum ist es schon so spät? Und wiese verplempere ich meine Zeit mit komischen Hundeartikeln?

Je mehr Stress ich habe, desto mehr verheddere ich mich im Netz und vergeude meine Zeit auf unsinnigen Webseiten. Psychologen nennen das Prokrastination (manche bezeichnen es sogar als “Psychokrankheit“). Statt wichtige Aufgaben zu erledigen, gibt man sich Trivialem hin. Ich bin so talentiert im Prokrastinieren, ich könnte Workshops darüber halten. In meinen Augen ist Prokrastination ein Ventil der modernen Büroarbeiter. Die haben zu viel Stress, zu lange To-do-Listen, sodass sie ganz unbewusst ein wenig Freizeit suchen. Und sei es auch nur ein Stündchen auf Youtube: Es fühlt sich an wie ein Kurzurlaub von der Arbeit.

 

Auch Ellen Degeneres sieht das so:

 

Ein weiterer toller Beitrag zum Thema #Prokrastination:

 

 

Digitalia ist die wöchentliche IT-Kolumne des Falter. Dieser Text erschien in Ausgabe 18/12.

May 282012
 

Ich habe Gadgetstress. Smartphone, Tablet, E-Reader, Laptop. Ich besitze so circa jedes tragbare elektronische Gerät. Das stellt mich regelmäßig vor eine schwierige Entscheidung: Welches Gerät packe ich ein? Welches lasse ich zu Hause? Wenn ich zum Beispiel auf Urlaub fahre, ist das ein echtes Drama: Nehme ich nur das iPad mit oder auch das Lesegerät? Einerseits ist es total blöd, das halbe Handgepäck mit Elektronik vollzustopfen, andererseits vermisse ich vielleicht den Kindle, wenn ich am Strand liege.

Das mag ein Luxusproblem sein. Aber ich finde, in einer wohlhabenden Gesellschaft darf man sich auch mit Luxusproblemchen herumschlagen. Die letztgültige Antwort auf die Gadgetfrage habe ich übrigens noch nicht gefunden. Meistens packe ich alle Geräte ein und nutze dann kaum eines davon. Auch egal – mich beruhigt einfach der Gedanke, dass die Technik in Griffweite im Handgepäck ist. So wie früher der Teddybär.

 

Digitalia ist die wöchentliche IT-Kolumne des Falter, dieser Text erschien in Ausgabe 20/12. Foto: Flickr-User  Yutaka Tsutano

May 242012
 

Die Piratenpartei hat ein Alkoholproblem. Also nicht die ganze Partei, aber offenbar einzelne Piraten. Jetzt hat die Truppe Lokalverbot im Wiener Beisl Wratschko. Das kann man im Forum der Piraten nachlesen. Der Diskussionsbeitrag heißt “Verbrannte Erde nun auch im Wratschko?“. Es fallen Worte wie “Affen“, “Trunkenbolde“, “Randalierer“, “Misstrauensantrag“, “Mobbing“ und “Alkoholverbot“. Richtig schlau wird man aus den Postings nicht. Es gibt unterschiedliche Versionen, was genau dort passierte. Ein Pirat schreibt jedenfalls: “unfassbar peinlich … mit solchen aktionen schießt man sich bei den mündigen teilen der bevölkerung so dermaßen ins aus.“ Wie Recht er hat! Es ist zum Fremdschämen, wie sich die Piratengegenseitig beflegeln. Aber zumindest eines muss man ihnen zugutehalten: Sie stehen zu ihrer Transparenz und diskutieren wirklich alles öffentlich – selbst wenn sie dabei wie die allergrößten Loser wirken.

 

Update 1: Oh je, ganz so transparent sind die Piraten doch nicht. Denn mittlerweile haben sie den genannten Beitrag gesperrt. Er ist auch mit Registrierung nicht mehr einsehbar.

 

Update 2: Jetzt ist der Beitrag wieder online. Danke Toni Straka für den Hinweis.

 

Diese Kolumne ist im Falter 21/12 erschienen. Logo: Piratenpartei Österreich