Mar 042012
 

Ich bin zutiefst betrübt. Jemand hat mein iPhone gestohlen. Ein Langfinger griff in meine Handtasche und plötzlich war es weg. Auch der Versuch, es nachträglich zu orten, scheiterte. Das Handy war längst ausgeschaltet. Ich nehme an, es wurde bereits um ein paar Euro verhökert und schlummert nun in einem schwindeligen Handyshop.

Ich hingegen sitze depressiv herum. Es fühlt sich an, als wäre ein Teil meines Körpers amputiert worden. Ganz im Ernst. Ständig spüre ich den Impuls, zum Handy zu greifen und schnell etwas zu googeln oder auf Facebook zu schauen. Und dann fällt mir ein: Geht ja nicht, das iPhone ist weg. Wahrscheinlich könnten Sozialforscher an mir Studien durchführen, wie sich der Smartphoneverlust auf totale Süchtler auswirkt. So schlimm ist das. Normalerweise baue ich am Schluss meiner Kolumne immer irgendeinen Gag ein, irgendeine Pointe. Aber sorry, diesmal geht das nicht. Der iPhone-Dieb hat meine ganze Freude geraubt. Continue reading »

May 252011
 

Vom iPhone bis zur Vorratsdatenspeicherung – unser Standort wird permanent erfasst. Das ermöglicht ganz neue Formen der Überwachung

Iwona Wisniewska sitzt im Café Europa im siebten Wiener Gemeindebezirk. Ihr Handy weiß genau, wo sie sich gerade befindet: 48.200454 Grad nördliche Breite; 16.350743 Grad östliche Länge. Das sind ihre Koordinaten. Sie werden rund um die Uhr von Navigationssatelliten, GPS-Technologie und ihrem iPhone ermittelt.

Wisniewska ist nur ein kleiner Punkt auf der Landkarte, eine von etlichen Millionen Smartphone-Besitzern, die sich orten lassen. Die 25-jährige Bloggerin hat kein Problem damit. Im Gegenteil, sie findet diese Lokalisierung praktisch. Wenn sie Fotos macht, weiß ihr iPhone ganz genau, wo das Bild geknipst wurde und speichert diese Information. Wenn Wisniewska einen Lokaltipp in der Nähe sucht, ruft sie einfach die “Foodspotting“-Applikation auf. Diese ermittelt ihren Standort und zeigt Restauranttipps. Wenn sie das Café Europa besucht, dann “checkt“ sie bei Foursquare ein – Foursquare ist eine Mischung aus Ortungsdienst und Onlinespiel, bei der man dem virtuellen Bekanntenkreis zeigt, wo man sich gerade befindet und dabei Punkte sammelt. “Das macht Spaß“, sagt Wisniewska. Sie ist eine geortete Konsumentin.

Handypeilung, GPS, Foursquare. All das gibt es schon länger, doch erst kürzlich wurde es zu einem großen Thema: Da sorgte Apple für Aufregung. Zwei IT-Experten fanden heraus, dass das iPhone permanent die eigene Position ermittelt und diese in einer unverschlüsselten Datei abspeichert. Die richtige Software und Zugang zu einem Computer, an dem das iPhone synchronisiert wurde, genügt: Schon kann man diese Information auslesen und ein Bewegungsprofil erstellen. Continue reading »

Mar 122011
 

Screenshot: Apple.com

Das soll’s gewesen sein? Ernsthaft? Wochenlang hielt Apple die Öffentlichkeit in Spannung, die Weltpresse blickte nach San Francisco, wo Sektenguru Steve Jobs sein neues Wunderding vorstellte: das iPad 2.

Realistisch betrachtet kam dann eine Schmalspur-Innovation heraus: Das neue iPad ist 4,4 Millimeter dünner als das alte, es wiegt 80 Gramm weniger, der Prozessor ist stärker – ach ja, und es hat zwei winzige Kameras eingebaut. Ein Witz, dass diese minimalen Hardwareverbesserungen als große Neuerung verkauft werden. Noch absurder ist allerdings, dass sämtliche Journalisten und auch die Konsumenten darauf reinkippen. Continue reading »

Mar 062011
 

Nein, du dummes iPhone! Ich wollte nicht vom “grünen Stoffwechsel“, sondern vom “grünen Stoffsackerl“ schreiben. Schon wieder hat das Handy ein richtiges Wort durch ein falsches ersetzt.Diese Autokorrektur ist eines der meistgehassten Features am Apple-Handy, weil das Gerät häufig abwegige Worte einfügen will. Aus “einzig“ wird automatisch “geizig“, aus “Kopfhörern“ wird “kopulieren“. Das iPhone erlaubt sich manchen Telefonstreich. Da werden ganz harmlose SMS zu richtigen Ferkeleien oder Beschimpfungen – und der Gesprächspartner wundert sich, ob man am Tourette-Syndrom erkrankt ist. Großartige Beispiele für solche Konversationen gibt es auf der amerikanischen Webseite damnyouautocorrect.com. Ein Vater schreibt zum Beispiel seinem Kind: “Your mom and I are going to divorce next month.“ Kurz darauf die Richtigstellung: “Disney“, die Eltern fahren nächstes Monat nach Disneyland, nicht zum Scheidungsanwalt! Puh, da habe ich mit meinem grünen Stoffwechsel noch Glück gehabt.

Digitalia ist die wöchentliche IT-Kolumne des Falter, dieser Text ist in Ausgabe 5/11 erschienen. Screenshots: damnyouautocorrect.com

Mar 062011
 

Milliardenfach werden Apps aufs iPhone geladen. Eine kleine heimische Firma setzt sich auf dem stark umkämpften Markt durch

Cupertino, Kalifornien. Alexander Stickelberger sitzt alle sechs Wochen im Hauptquartier von Apple. Der Computerkonzern lädt nur ausgewählte Softwareentwickler in seine Zentrale ein, der Wiener ist einer davon. “Wir treffen hier Apple-Mitarbeiter, vernetzen uns und bekommen einen Informationsvorsprung“, sagt der 35-Jährige. Näher ins Detail möchte er nicht gehen, in seiner Branche gibt es Verschwiegenheitsklauseln und Geheimhaltepflichten. Stickelberger ist Geschäftsführer von Nous. Die Firma entwickelt “Apps“, also Applikationen fürs iPhone und andere smarte Handys, Benutzer können diese Programme auf ihr Handy laden – ein Zukunftsmarkt.

Erst die Apps machen aus Handys ein tragbares Fotolabor, ein Navigationsgerät, eine kleine Spielkonsole, eine digitale Buchhandlung oder einen Radioapparat. Dank der kleinen Programme wird das iPhone zum Alleskönner, zum Schweizer Taschenmesser der Nullerjahre. 300.000 Applikationen werden allein im Onlinegeschäft von Apple angeboten, dem sogenannten App-Store. Bald erwartet Apple den zehnmilliardsten Download. Eine Milliarde Dollar verdienten die Softwareentwickler vergangenes Jahr über Apple. Firmen wie Nous wollen mitnaschen, bisher gelingt das den Österreichern ganz gut.

15. Bezirk, Wien. Hier ist Nous zu Hause. Eine ehemalige Schaufensterpuppenfabrik wurde in ein stylishes Bürogebäude umgewandelt, das 15-köpfige Team entwirft Applikationen für Mercedes und Red Bull, fürs Europäische Parlament und das San Francisco Museum of Modern Art. Mittlerweile gibt es auch zwei Niederlassungen in den USA und Dänemark. Wie schafft es die kleine österreichische Firma, sich gegen die internationale Konkurrenz durchzusetzen?

Eine gute App zu entwerfen ist eine hohe Kunst. Als der App-Store neu eröffnet hatte, machten manche Hobbyprogrammierer Irrsinnssummen. Heute ist das Geschäft viel schwieriger geworden. “Mittlerweile ist der Enduser-Markt sehr übersättigt“, sagt Stickelberger. Vom virtuellen Fitnesstrainer bis zur digitalen Zeitungsausgabe, für nahezu jeden Zweck gibt es bereits unzählige Programme. Es ist ein Mythos, dass man im App-Store so leicht reich werden kann. Etliche iPhone-Programme rentieren sich nicht – die Konkurrenz ist zu groß, zu billig. Viele Apps werden um nur 79 Cent angeboten. Die meisten heruntergeladenen Programme sind überhaupt gratis.

Firmen wie Nous finanzieren sich über Aufträge großer Marken, Hotels, Museen. Für eine professionelle App muss man zwischen 10.000 und 50.000 Euro zahlen, heißt es in der Branche. Die Apps sind inzwischen ein großer Geschäftszweig. Nous versucht zum Beispiel, mit besonders gutem Design und intuitiver Bedienung zu punkten. Im Team arbeiten Programmierer, Designer und sogar eine Psychologin. “Der Mensch kann auf einen Blick nur fünf bis sieben Punkte erfassen“, erklärt Eva-Maria Michelcic, die als Projektmanagerin für die Presse-Applikation zuständig ist. Die Tageszeitung gibt es auch als kostenlose digitale Version am iPhone oder iPad, dem Tablet-Computer von Apple. Statt umzublättern, wischt man einmal über das Display; um einen Text zu lesen, tippt man mit dem Finger darauf. Eine schöne Fusion aus Zeitungsoptik und iPhone-Haptik. Für die Software wurde Nous ausgezeichnet: Apple kürte sie zu einer der besten Applikationen des Jahres 2010.

Viele Verleger stecken große Hoffnungen in die Apps. Vielleicht wird die Zeitung künftig über digitale Lesegeräte wie das iPad verkauft. Gleichzeitig birgt das App-System aus Cupertino Gefahren. Der Weltkonzern bestimmt ganz allein, welche Apps am iPad und iPhone installiert werden dürfen. Immer wieder fliegen Programme aus dem Store, weil sie den Kaliforniern zu anzüglich oder zu provokant erscheinen. Der Pulitzerpreisträger und Cartoonist Mark Fiore wurde zum Beispiel zensuriert, weil sich seine Satire-App über öffentliche Personen lustig machte. Nun wurde bekannt, dass Apple bei den kaufbaren Zeitungsapplikationen strenger eingreifen will. Wer eine Printzeitung abonniert, soll die iPad-Version künftig nicht mehr gratis erhalten. Der Konzern will mitnaschen, kein Wunder, erhält er doch bei jeder verkauften App 30 Prozent des Umsatzes. “Man hat die Wahl, sich dem unterzuordnen oder nicht mitzumachen“, so Stickelberger. Also fügen sich Firmen wie Nous und sogar große Verlage. Lieber mit Magengrummeln dabei sein, als etwas zu versäumen.

Langsam steigt allerdings der Druck auf Apple. Die Konkurrenz wächst, Google setzt seine Android-Handys massenweise ab, das Windows Phone 7 ist eine weitere Alternative zum iPhone. Nous entwickelt auch für diese Handytypen Applikationen, die Wiener sind bestrebt weiterzuwachsen. Das iPad eröffnet ihnen neue Geschäftsfelder, die Niederlassung in den USA wollen sie ausbauen. Derzeit sitzen dort nur drei Personen. “In den USA sehen wir noch mehr Zukunftspotenzial als in Europa“, meint Stickelberger. Er ist überzeugt: Die mobilen Apps sind nicht bloß Hype, sondern ein weiterer Meilenstein in der Computergeschichte.

 

Dieser Artikel erschien im Falter (Ausgabe 3/11). Foto: Katharina Gossow

Mar 062011
 

Ich bin ein riesiger Fan von Winona Ryder. Niemand spielt so gut durchgeknallte, labile Frauen wie sie. Der Hollywood-Star mit kleptomanischen Tendenzen hat einen großartigen, irren Blick. Sie starrt einen von der Leinwand an, und man denkt sich: Oh je, diese Frau braucht dringend Hilfe! Ich fürchte allerdings, Winona Ryder spielt diese Rollen nicht nur. Zumindest hat sie recht eigensinnige Theorien zum Internet: Winona greift Computer nicht an, ist von ihrem iPhone überfordert und fürchtet sich vor Google. “Ich habe Angst, dass ich herausfinden will, welcher Film wo läuft, und plötzlich bin ich Mitglied von Al-Kaida“, erklärte sie im US-Fernsehen. Eine toller Gedanke: Man tippt das Falsche in Google ein – und schwupps, ist man Teil einer Terrorzelle. Ganz so funktioniert das Web nicht, wollte ihr auch der TV-Moderator erklären, aber Winona glaubte ihm kein Wort. “Wir sind einen Knopfdruck davon entfernt, Al-Kaida beizutreten“, sagte sie stattdessen und hatte wieder diesen verrückten Blick. Oscarverdächtig!


Digitalia ist die wöchentliche IT-Kolumne des Falter. Dieser Text ist in Ausgabe 03/11 erschienen.

Mar 062011
 

Der Hund hat meine Hausaufgaben gefressen. Quatsch, meine Ausrede ist weitaus besser: Das iPhone hat mich nicht aufgeweckt. Am 1. Jänner musste ich einen Bus erwischen – aber fast hätte ich ihn versäumt, weil mein iPhone-Wecker nicht läutete. Nach Silvester funktionierte bei vielen Benutzern der Wecker nicht. Apple hat diesen Softwarefehler zugegeben. Das Problem ist bereits beseitigt. Im Internet scherzten einige Leute, dass uns Apple ein paar zusätzliche Stunden Schlaf gönnen wollte. Haha, wie lustig. Ich habe nicht sehr viel gelacht, als ich ungeduscht und mit leerem Magen zum Bus gerannt bin. So etwas bringt einen eher zum Grübeln: Wenn nicht einmal mehr der simple iPhone-Wecker funktioniert, auf welche Technik ist dann noch Verlass? Wird als Nächstes der Autopilot im Flugzeug abstürzen? Die Espressomaschine explodieren? Ach was. Ich verwende nun einen zweiten Wecker. Denn für jedes technische Problem gibt es die einfache Lösung: noch mehr Technik kaufen.

 

Digitalia ist die wöchentliche IT-Kolumne des Falter. Dieser Text wurde in Ausgabe 01-02/10 veröffentlicht. Foto: Screenshot des iPhone-Wecker-Symbols