Ich muss jetzt einmal Dankeschön sagen. Danke an all die Twitter-User, die mir helfen, diese Kolumne zu füllen. Auf Twitter stelle ich nämlich regelmäßig Fragen oder bitte um Recherchetipps von anderen Internetfetischisten. Man könnte auch sagen: Ich klaue ihre guten Ideen und verwerte sie dann in der Zeitung. Continue reading »
Das Internet ist ein Echtzeitmedium, heißt es immer. So eine Lüge! Ich habe im Netz die Reaktionszeit einer Landschildkröte und brauche mindestens eine Woche, um auf E-Mails zu reagieren. Fast all meine Nachrichten beginnen mit dem Satz: “Entschuldigen Sie meine späte Antwort“. Noch schlimmer ist allerdings der Kugelschreiberhersteller Stabilo. Der hatte neulich eine Reaktionszeit von fast einem halben Jahr. Ein Freund von mir hatte ein Problem mit einem Kuli und beschwerte sich auf Facebook und Twitter. Fünf Monate später twitterte Stabilo zurück und entschuldigte sich für die “sehr späte Antwort“.
Ich finde das super. Das beruhigt Menschen wie mich, die immer ein schlechtes Gewissen haben, wenn sie an ihr Postfach denken. Wobei, ganz so arg ist die Geschichte dann doch nicht: Stabilo reagierte vor fünf Monaten nämlich sofort via Facebook, lediglich auf Twitter blieb die Kundenanfrage liegen. Mist. Ich glaube, ich muss jetzt ein paar E-Mails beantworten gehen. Continue reading »
Vorsicht, im Internet ist eine Schlange ausgekommen! Also genau genommen ist die Kobra dem Bronx Zoo entflohen und nun auf Twitter unterwegs. Ein anonymer User posiert dort als Reptil. Tweet für Tweet kann man lesen, was das Tier in New York so anstellt. Zum Beispiel: “Bin in der Schlangenausstellung im Naturhistorischen Museum und halte möglichst still. Das wird ein Spaß!“ Mittlerweile ist die Kobra wieder zurück im Zoo, getwittert wird weiter aus der Gefangenschaft. Etwa: “Das Geheimnis, um hier drinnen zu bestehen: Finde die größte Schlange und mach sie fertig. Das verschafft dir den Respekt der anderen.“ Oder: “Sie beobcahten mcih gnaeu, dsweeegn msus ich in Geeihmsrpache srpehcen. Wnen irh das leesn köntn, snedet mri Bgales und Cpuackes.“ Die Schlange hat schon mehr als 200.000 Follower, finde das voll okay. Zwischen all den Tweets zur drohenden Atomapokalypse und arabischen Terrorregimes braucht es auch ein bisschen Dschungelbuch-Humor. Continue reading »
Liebe User und Userinnen, wir haben uns heute hier versammelt, um gemeinsam der Größe des Webs zu gedenken. Lasset uns beten!
Im Namen des Internets
und des Google und des Heiligen Twitter.
Amen.
Ich glaube an das Internet,
das Web, das weltweite,
den Schöpfer von Wikipedia und YouTube,
und an Google,
seine eingeborene Suchmaschine, unsere Startseite,
empfangen durch Sergey Brin,
geboren von Larry Page,
gewachsen unter Eric Schmidt,
hinabgestiegen in das Reich der Chinesen,
am dritten Tage auferstanden von den Zensoren,
aufgefahren in den Himmel,
es sitzt zur Rechten von Wikileaks, dem allwissenden Informanten;
von dort wird er kommen, zu enthüllen alle Geheimnisse und Daten. Continue reading »
Wie können Facebook, YouTube und Co. Dissidenten vor der politischen Verfolgung schützen? Und wollen sie das überhaupt? Ein Gespräch mit Jillian C. York, die am Berkman Center for Internet & Society der Harvard Universität forscht.
Falter: Frau York, hätte es ohne Internet gar keine arabische Revolution gegeben?
Jillian C. York: Ich glaube, in Libyen spielte das Netz keine große Rolle. Dort haben gerade einmal fünf Prozent der Bevölkerung einen Internetanschluss. In Ägypten hingegen ist die Situation schon komplexer. In den letzten Jahren erfuhren viele Bürger über das Web von Verbrechen, Korruption und Polizeigewalt. So wurden sie politisiert und mobilisiert. Ägypten ist ein ganz neues Beispiel, wo man sagen kann: Vielleicht wäre der Protest nicht so wirkungsvoll gewesen, gäbe es nicht diese sozialen Netzwerke. Continue reading »
Wie Facebook und Twitter die arabische Demokratiebewegung beschleunigten
Karim El-Gawhary steht an der libyschen Grenze. Er blinzelt in die Kamera, starker Wind zersaust sein Haar. Im Hintergrund sieht man das blaue Mittelmeer, eine rötliche Wüstenlandschaft und weiße Autos. Der Journalist kommentiert fürs Fernsehen: “Ich weiß nicht, ob man es hier hinten sehen kann: eine lange Schlange, kilometerlange Schlange von Kleinbussen, die kommen, um Leute von der Grenze abzuholen.“ Die Menschen wollen raus aus Libyen, wo ein Diktator gegen sein Volk kämpft. Nur El-Gawhary will hinein, so wie viele andere Journalisten auch. Doch das libysche Regime verweigert die Einreise. Wer illegal die Grenze passiert, wird als Al-Kaida-Terrorist eingestuft, so die Drohung.
“In solchen Situationen muss man gelassen bleiben“, meint El-Gawhary wenige Minuten nach seinem Live-Auftritt am Telefon. Er ist ein echter Medienprofi. Seit 2004 leitet er das ORF-Büro in Kairo, zusätzlich schreibt er für Zeitungen wie Presse oder taz – und nebenbei facebookt und twittert er noch. “Waffen aus Kasernen wurden an Aufstaendische verteilt. Liby. Grenztruppen haben ihre Posten verlassen“, liest man beispielsweise auf 140 Zeichen. 3000 Menschen folgen dem Reporter alleine auf Twitter, und es werden täglich mehr.
El-Gawhary ist hierzulande der bekannteste Journalist, der vom Erwachen der arabischen Welt berichtet. Aber er ist auch ein spannendes Beispiel, wie sich die Rolle des Korrespondenten verändert. “Ich bin selbst ein großer Fan neuer Medien“, sagt er, “ich benutze sie, um mich mitzuteilen, aber auch um Information zu sammeln.“ Wer dieser Tage Al Jazeera, CNN oder ORF schaut, wird Videos aus Facebook und Twitter sehen. Demonstranten haben sie mit gewöhnlichen Handykameras aufgezeichnet und hochgeladen. Aber handelt es sich bei der Bilderflut stets um die Realität oder um ihren Zerrspiegel? Sind die Onlinenetzwerke maßgeblich für die Revolution oder werden sie maßlos überschätzt? Continue reading »
Es gibt diesen berühmten Spruch: Wer die Geschichte nicht kennt, ist verdammt, sie zu wiederholen. Da ist schon was dran, wie man derzeit im Netz merkt. Erneut bläst sich die Internetindustrie auf, für einige Onlinedienste werden Irrsinnssummen geboten, die Marktanalysten hantieren mit astronomisch hohen Zahlen. Der Wert von Facebook wird mit 40 bis 50 Milliarden Euro beziffert. So viel kosten auch die Marken Ford (40 Milliarden Euro) und Visa (45 Milliarden). Twitter wiederum macht Verluste und soll trotzdem sieben Milliarden Euro wert sein. Continue reading »







