Feb 062013
 

Die Jugend solle nicht jammern, sondern lieber einen neuen Gesellschaftsentwurf entwickeln und der Band Tocotronic zuhören, meint Soziologe Heinz Bude. Ein Experteninterview mit unkonventionellen Ideen

Falter: Professor Bude, viele Junge haben dieses mulmige Gefühl, dass es vorigen Generationen besser ging. Ist da was dran?

Heinz Bude: Absolut. Den Jungen ist klar, dass sie nicht den gleichen Aufstieg erleben werden wie ihre Eltern. Mein Kollege Ulrich Beck hat immer von einem “Fahrstuhleffekt“ in der Nachkriegszeit gesprochen: Für die gesamte Gesellschaft ging es nach oben. Diesen Aufzug gibt es nicht mehr und für die Jungen ist das interessanterweise eine schmerzhafte Einsicht.

Was ist so interessant daran? Ist doch verständlich, dass den Jungen das nicht gefällt.

Bude: Stimmt. Nur im vergangenen Jahrhundert nahmen die Jugendgenerationen stets eine Konfliktperspektive zu ihren Eltern ein. Ihnen war wichtig, eine andere Zukunft zu finden als jene der Eltern. Das hat sich merkwürdigerweise umgekehrt. Jetzt klagen die Jungen darüber, dass sie es nicht genauso gut haben werden.

Das wahre Problem ist also, dass die Jugend keinen eigenen Generationenentwurf hat?

Bude: Genau so ist es. Ihnen fehlt der Glaube, dass sie selbst eine neue Zukunft für sich entwerfen können. Das führt zur eigentlichen Depression der Jungen. Continue reading »

Apr 272011
 

Braucht wer einen Computer? Ich empfehle den Digital Rainbow 100, den “Proficomputer vom zweitgrößten Computerhersteller der Welt“, der nur lächerliche 68.400 Schilling kostet, also circa 5000 Euro. Das steht zumindest im Hartlauer-Katalog aus dem Jahr 1984, den ein Facebook-Freund ausgegraben und ins Netz gestellt hat. Laut dem Prospekt muss das Gerät der Ferrari unter den Computerschlitten gewesen sein. Da düste man mit zwei 4-Megahertz-Prozessoren herum und konnte sogar eine Festplatte mit – bitte festhalten – zehn Megabyte anhängen. Zehn Megabyte sind so groß wie zwei MP3-Musikdateien, aber das war 1984 nicht so wichtig, da gab’s noch keine MP3s, sondern Musikkassetten mit Nena oder Alphaville drauf. Und mich gab’s in Windeln. Es ist natürlich einfach, sich über den Nobelrechner aus den 80ern lustig zu machen. Aber wartet nur: In 20 Jahren werden wir von der nachfolgenden Generation verarscht. Was? Nur ein Terabyte? Und wie hieß diese Währung? Euro? Continue reading »

Mar 162011
 

Mit dem Warenkorb berechnen wir die Inflation. Er bildet aber auch den Gesellschaftswandel ab

Die Dauerwelle hat lange gehalten. Die Pudelfrisur aus den 70er-Jahren fand sich bis heuer im österreichischen Warenkorb. Jetzt flog sie raus. Die Statistik Austria hat ihren Warenkorb aufgeräumt, mit dem sie die Inflation berechnet. Einige Produkte wurden entfernt, zum Beispiel Farbfilm, Röhrenfernseher oder Dauerwelle. Andere Waren kamen neu hinein, zum Beispiel das Navigationsgerät, der Bergkäse und die Elektrozahnbürste. Continue reading »